200. Geburtstag eines Visionärs

Am 13. Dezember 2016 jährt sich der 200. Geburtstag des genialen Erfinders und klugen Industriellen Werner von Siemens. Er gilt als Begründer der modernen Elektrotechnik. Ursprünglich wollte er einen wissenschaftlichen Beruf ergreifen, was die wirtschaftliche Situation einer Familie jedoch nicht zuließ. So wurde er Offiziersanwärter an der Berliner Artillerie- und Ingenieurschule, wo er eine umfassende Ausbildung in naturwissenschaftlichen Fächern erhielt.

Zu fünf Jahren Festungshaft wegen seiner Teilnahme als Sekundant an einem Duell, richtete er sich in seiner Zelle in der Festung Magdeburg ein Versuchslabor ein, wo er 1842 ein Verfahren zur elektrischen Galvanisierung erfand. Mit Hilfe von Gleichstrom aus Batterien überzog er einen Teelöffel aus Neusilber mit Silber oder auch mit Gold. 1846 verbesserte er den elektrischen Zeigertelegrafen in seiner Konstruktion und ein Jahr später das Verfahren, um Drähte mit einer Umhüllung von Guttapercha zu versehen, das bis heute die Grundlage für die Herstellung von isolierten Leitungen und elektrischen Kabeln bildet.

Zusammen mit dem Feinmechanikermeister Johann Georg Halske gründete Siemens 1847 die Telegraphen Bau-Anstalt von Siemens & Halske in Berlin. Die Grundlage hierfür bildete der verbesserte Zeigertelegraf. Außerdem wurden Drahtisolierungen, Wassermesser und Eisenbahnläutwerke hergestellt. Bereits 1848 wurde von Siemens die erste Telegrafenleitung von Berlin nach Frankfurt am Main verlegt. Dort tagte die deutsche Nationalversammlung. Siemens wurde dadurch über den preußischen Staat hinaus bekannt.

Da die Werkstatt längst zu klein geworden war, wurde die Fertigung in die Friedrichstadt von Berlin verlegt. 1883 wurde ein zweites Werk in Charlottenburg errichtet, dass 1929 aufgegeben wurde. Ab 1899 wurde nur noch in einem dritten Werk an den Nonnenwiesen in Spandau produziert, wo später die Siemensstadt entstand, die heute ein Berliner Ortsteil ist.

Auf der Grundlage des von Siemens wissenschaftlich begründeten dynamoelektrischen Prinzips entstand in den späteren Jahren die Starkstromtechnik. 1866 wurde der erste elektrische Generator entwickelt. Der Elektromotor löste zusammen mit dem Verbrennungsmotor die Dampfmaschine ab. Damit begann die zweite industrielle Revolution.

Siemens wurde bald international tätig: Werner Siemens Bruder Wilhelm wurde mit der Leitung der ersten Auslandsniederlassung in London betraut. Sein Bruder Carl wurde 1853 in Sankt Petersburg tätig, nachdem Siemens ein Jahr zuvor den Auftrag für Telegrafenleitungen von Warschau nach Sankt Petersburg und von Sankt Petersburg nach Moskau erhalten hatte. Auch aus England kamen Aufträge, wo Siemens eine eigene Kabelfabrik bei Woolwich errichtete; ein weiteres Kabelwerk wurde in Sankt Petersburg 1882 gebaut. Walter Siemens, ein weiterer Bruder, leitete den Bau von Telegrafenleitungen im Kaukasus. Siemens & Halske Japan Agency in Tokio wurde 1892 gegründet.

1914 besaß Siemens Produktionsstätten in Großbritannien, Russland, Österreich-Ungarn, Frankreich, Belgien und Spanien; in 49 Ländern war das Unternehmen vertreten.

Der durch eine Oberleitung 1882 angetriebene elektrische Kutschenwagen von Siemens und in Berlin-Halensee getestet, gilt als der erste Oberleitungsbus der Welt. Im gleichen Jahr wurde die erste elektrische Grubenlok im Steinkohlenbergbau eingesetzt und war bis 1927 in Betrieb. 1884 fuhr zwischen Offenbach am Main und Frankfurt am Main die erste kommerziell betriebene elektrische Straßenbahn.

Nach Meinungsverschiedenheiten schied Johann Georg Halske nach zwanzig Jahren gemeinsamen Schaffens aus der Firma aus und die Firma Siemens & Halske wurde zum Familienunternehmen der Brüder Siemens.

In vielen Dingen war Siemens seiner Zeit voraus: Bereits Mitte der 1850er Jahre zahlte Siemens leitenden Mitarbeitern erfolgsabhängige Tantiemen, rangniedrigere erhielten Prämien. Eine sogenannte Inventurprämie erhielten alle Arbeiter und Angestellten ab Mitte der 1860er Jahre. In einem Brief an seinen Bruder Carl schrieb Werner Siemens: „Es wäre auch nicht klug von uns, sie leer ausgehen zu lassen im Augenblicke großer neuer Unternehmungen“. Durch den Leistungsanreiz bildete sich ein fester Arbeiterstamm. Schon 1872 gründete Siemens eine Pensions-, Witwen- und Waisenkasse; ein Jahr später führte er eine tägliche Arbeitszeit von neun Stunden ein. Bei einer Sechstagewoche waren das 54 Stunden Arbeitszeit; üblich waren damals noch 72 Wochenstunden.

Für seine Verdienste wurde Werner Siemens 1888 vom preußischen König Friedrich III. in den erblichen Adelsstand erhoben. Siemens starb 1892 an einer Lungenentzündung. Und wurde auf dem Alten Luisenfriedhof in Berlin beigesetzt, später in die Grablege auf dem Südwest-Friedhof in Stahnsdorf überführt.

Siemens ist mit 114.000 Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber in Deutschland; im Ausland sind rund 240.000 Menschen beschäftigt.

Zwischen 1898 und 1914 erbaute die Siemens AG am Nonnendamm das Kabelwerk, das Fernmeldewerk, das Röhrenwerk, das Dynamowerk, die Eisengießerei und das Messgerätewerk. Lediglich das Dynamowerk existiert noch. Es überdauerte die Weltkriege und die Demontage nach 1945 und und ist mit Aufträgen aus aller Welt gut ausgelastet.

Der markante 71 Meter hohe Uhrenturm, konzipiert als Schornstein und Wasserspeicher, überragt die Siemensstadt, deren Bau 1904 begann. 1908 richtete Siemens eine Straßenbahnlinie von der Altstadt Spandau in die Siemensstadt für die Arbeiter ein; 1929 wurde die von Siemens finanzierte 4,5 km lange

S-Bahnstrecke eingeweiht. Siemens baute in der Siemensstadt kommunale und soziale Einrichtungen auf eigene Kosten, die heute noch existieren und genutzt werden. Seit dem 1. Januar 1914 heißt der neue Stadtteil auf Beschluß der Spandauer Stadtverordnetenversammlung nunmehr Siemensstadt.

Ein Beitrag für Medieninfo Berlin von Edelgard Richter / Dela Press.