Cannabis für Schmerzpatienten

Wer unter unerträglichen Schmerzen leidet, die durch keinerlei ärztliche Maßnahmen gedämpft werden konnten, werden in Zukunft Cannabis-Produkte als Kassenleistung in Anspruch nehmen können. Im Rahmen ihrer Therapiefreiheit können Ärzte demnächst im Einzelfall medizinisches Cannabis verordnen. Das entsprechende Gesetz soll noch im März 2017 in Kraft treten. „Jede Apotheke kann dann nach einer ärztlichen Verordnung Rezepturarzneimittel mit Cannabis herstellen und abgeben“, sagte Dr. Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer.

 

Der Arzt bestimmt unter anderem die Dosis und die Art der Anwendung. Cannabis kann in verschiedenen Formen verordnet werden; zum Beispiel als Blüten. Cannabisblüten sind in unverarbeitetem Zustand ungleichmäßig und nicht korrekt zu dosieren. Die Apotheken mahlen die unzerteilten Blüten unter definierten Bedingungen und geben sie als Rezepturarzneimittel an die Patienten ab.

 

Der Patient kann die pulverisierten Blüten mit einem kleinen Dosierlöffel, den er von der Apotheke bekommt, genau abmessen. Für kleine Einzelgaben und den individuellen Bedarf können die Apotheken das Pulver in Papierkapseln abfüllen. „Das Abmessen von Cannabisblüten „nach Gefühl“ ist für eine medizinische Anwendung nicht zu verantworten, denn das führt zwangsläufig zu Über- oder Unterdosierungen“, sagte Dr. Kiefer, der auch Vorsitzender des Neuen Rezeptur-Formulariums (DAC/NRF) ist. Das DAC/NRF hat zu Cannabis mehrere Arbeitsanweisungen für Apotheken entwickelt.

 

Nicht nur über die Dosis, auch über die Anwendungsform entscheidet der Arzt. Apotheker gebnen ihren Patienten bei der Abgabe des Rezepturarzneimittels entsprechende Anweisungen mit. Dr. Kiefer erklärte: „Ein „Probieren geht über Studieren“ hat in der rationalen Arzneimitteltherapie mit Cannabis keinen Platz. Deshalb haben wir Anleitungen für die Anwendung entwickelt, die für Patienten leicht umzusetzen sind und zu einheitlichen und wiederholbaren Ergebnissen führen“.

 

Cannabis kann von Patienten inhaliert oder nach einer wässrigen Abkochung (Tee) getrunken werden. Für die Inhalation gibt es elektrische Verdampfer, die die Cannabisblüten unter definierten Bedingungen erhitzen. Das Patient kann dann den Dampf nach und nach vollständig inhalieren. Dr. Kiefer wies darauf hin, dass „das Rauchen von Cannabis zusammen mit Tabak als „Joint“ die Teezubereitung mit fetthaltigen Flüssigkeiten, wie Sahne, oder das Einbacken in Kekse für medizinische Zwecke völlig ungeeignet sind, da die Dosis nicht reproduzierbar wäre“. Besser als mit Cannabisblüten kann dem individuellen Bedarf des Patienten entsprechend mit dem Cannabis-Hauptwirkstoff, dem Dornabinol oder kurz „THC), behandelt werden.

 

Liegt eine entsprechende Genehmigung vor, übernehmen die Krankenkassen die Kosten für ärztliche verordnete Rezepturarzneimittel mit Cannabis oder Dronabinol. Für Patienten der Gesetzlichen Krankenversicherung fällt nur die Zuzahlung an, die pro Arzneimittel höchstens 10 Euro beträgt.

 

Medizinisches Canabis wird immer auf einem gelben Betäubungsmittelrezept verordnet. Da es nach der Ausstellung nur eine Woche lang gültig ist, sollten Patienten dieses Rezept umgehend in einer Apotheke einlösen. Dr. Kiefer: „Rezepturarzneimittel mit Cannabis bekommt man nicht im Versandhandel, aber die wohnortnahen Apotheken versorgen ihre Patienten auch in diesem Fall schnell und sicher“.

 

Ein Beitrag für Medieninfo Berlin von Edelgard Richter / Dela Press.