Depressionen weit verbreitet

 Der von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) e. V. Vom 23. bis 26. November 2016 im City Cube Berlin organisierte Kongress befaßte sich neben vielen anderen Themen auch mit Depressionen und Angstzuständen in unserer modernen Gesellschaft.

Leistungsdruck auf der Arbeit, private Verpflichtungen, hohe eigene Ansprüche und ständige Erreichbarkeit: Mehr als die Hälfte der Erwachsenen n Deutschland fühlt sich gestresst. Damit steigt auch das Risiko für psychische Erkrankungen. Führende Psychiater rückten deshalb während des Kongresses die Risikofaktoren in den Vordergrund, die mit den modernen Lebensumständen verbunden sind. Sie fordern, diese noch stärker zu erforschen und daraus neue präventive und therapeutische Konzepte zu entwickeln.

Stress ist nicht grundsätzlich negativ. Ein bestimmtes Stressniveau hilft sogar, Herausforderungen und Belastungssituationen zu meistern. Wen der Stress jedoch überhand nimmt, wird es ungesund. Ständiger Stress ist ein Risikofaktor, der zu psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Angstzuständen und zu körperlichen Krankheiten wie Tinnitus, Bluthochdruck oder Infektionskrankheiten führen kann. Besonders alarmierend dabei: Nach aktuellen Erhebungen ist der Stresspegel in Deutschland besonders hoch. Jeder vierte Erwachsene fühlt sich häufig gestresst.

In vielen Fällen hängt der Stress mit den modernen Lebensumständen zusammen: Immer mehr Menschen leben in Großstädten, die Arbeitsdichte im Job nimmt zu, neue Technologien durchdringen unseren Alltag: „All das beeinflusst unser Denken, unsere Emotionen und unser Verhalten. Überforderung und Stressanfälligkeit können die Folge sein und unsere psychische Gesundheit negativ beeinflussen“, stellte DGPPN-Präsidentin Dr. Iris Hauth auf dem Jahreskongress der Fachgesellschaft fest.

So kommen Depressionen oder Angststörungen in Städten zum Beispiel deutlich häufiger vor als auf dem Land. Menschen, die in einer Großstadt geboren wurden, sind noch gefährdeter, ihr Schizophrenie-Risiko ist mehr als doppelt so hoch. „Studien haben gezeigt, dass das Gehirn von Großstädtern bei negativem Stress deutlich empfindlicher reagiert als das von Landbewohnern. Das stressige Umfeld aktiviert im Gehirn die sogenannte Amygdala. Dieser Mangelkern übernimmt im limbischen System die Funktion eines Gefahrensensors und löst Reaktionen wie Furcht oder Angst aus. Eine Überaktivierung ist auf Dauer mit der Entstehung von Depressionen und Angsterkrankungen verknüpft“, so Dr. Iris Hauth weiter.

Die Experten auf dem DGPPN-Kongress identifizierten aber noch eine Reihe weiterer neuer Risikofaktoren für psychische Erkrankungen. So fällt es heute vielen Menschen schwer, den digitalen Reizen zu widerstehen. Doch die exzessive Nutzung von Computer und Internet kann sich schwerwiegend auf das Leben der Betroffenen auswirken. Sozialer Rückzug, Probleme am Arbeitsplatz, Depressionen und andere psychische Erkrankungen sind dann die Folge. Gleichzeitig setzen sich gerade viele junge Menschen mit ihren eigenen hohen Erwartungen unter großen Stress. Sie streben zum Beispiel nach unerreichbaren Schönheitsidealen und entwickeln in der Folge Körperbildstörungen.

„Wir wissen heute, dass für die Entstehung psychischer Erkrankungen sowohl biologische als auch genetische Faktoren, belastende Lebenserfahrungen und weitere Umweltfaktoren eine Rolle spielen“, erklärte Dr. Iris Hauth.

Ein Beitrag für Medieninfo Berlin von Edelgard Richter / Dela Press.