Der Pflegereport der Barmer GEK

 Wie Menschen in Deutschland gepflegt werden, hängt vom Wohnort der Pflegebedürftigen ab. Das geht aus dem neuen Pflegereport der Barmer GEK hervor, der vor kurzem in Berlin vorgestellt wurde. Demnach sind die massiven regionalen Unterschiede in der Pflege die Konsequenz des Angebots vor Ort. Je mehr Pflegedienste oder Pflegeheime es gibt, desto mehr Betroffene werden von ihnen betreut. „Die Menschen bekommen offenbar nicht immer die Pflege, die sie brauchen, sondern die, die vor Ort verfügbar ist“, erklärte Dr. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer GEK.

So werden in Schleswig-Holstein 40,5 Prozent der Pflegebedürftigen in Heimen gepflegt. Daher ist die Kapazität an Plätzen in Pflegeheimen mit 40,2 Prozent pro 100 Pflegebedürftigen die höchste m Bundesgebiet. In Brandenburg sind lediglich 26,9 Plätze pro 100 Pflegebedürftige verfügbar. In diesem Bundesland werden die meisten Menschen durch ambulante Pflegedienste oder allein durch die Familie versorgt.

Auch das individuelle Einkommen beeinflussen die Art der Pflege. Wer ein geringeres Einkommen hat, kommt seltener in ein Pflegeheim. Grund sind die oft hohen privaten Zuzahlungen. So wird dann das familiäre Netzwerk für die Pflege in Anspruch genommen. Hier fehlt es jedoch noch an Unterstützung. Deshalb bietet die Barmer GEK als einzige Kasse eine individuelle Beratung durch Familiengesundheitspfleger. „Eine effiziente Pflegeunterstützung sollte aber nicht nur von der Mitgliedschaft in einer bestimmten Krankenkasse abhängig sein. Wir müssen dafür sorgen, dass alle Betroffenen in schwierigen Lebenssituationen uneingeschränkt die Unterstützung erhalten, die sie benötigen“, so Straub. Familiengesundheitspfleger kommen nach Hause. Sie beraten dort auf einem Niveau weit über dem der normalen Beratung im Pflegestützpunkt. Denn der Familiengesundheitspfleger sieht vor Ort, in welcher Situation gepflegt werden muss, erkennt Schwachstellen und Bedarf.

Weiter führte Dr. Straub aus: „Wir erwarten in den kommenden Jahrzehnten unterschiedliche Entwicklungen bei der Zahl der Pflegebedürftigen in den Bundesländern. Bis zum Jahr 2060 wird die Zahl der Pflegebedürftigen nach heutiger Definition bundesweit von 2,755 Millionen im Jahr 2015 auf 4,532 Millionen und damit um 64,5 Prozent steigen. Der Anstieg fällt für die pflegebedürftigen Männer höher aus: Im Jahr 2015 waren etwa 50 Prozent aller pflegebedürftigen Männer 80 Jahre und älter. Deren Anteil erhöht sich bis zum Jahr 2060 auf knapp 75 Prozent. Auch Pflegebedürftige Frauen werden tendenziell immer älter. Während im Jahr 2015 ihr Anteil im Alter von 80 Jahren und darüber bereits bei etwa 70 Prozent lag, wächst er auf knapp 85 Prozent bis zum Jahr 2060“.

Professor Dr. Heinz Rothgang als Studienautor von der Universität Bremen beschäftigte sich mit der Verabschiedung des Pflegestärkungsgesetzes III (PSG) durch den Deutschen Bundestag im Dezember 2016. Schon die Kosten des PSG II werden auf 7,2 Milliarden Euro allein für das Jahr 2017 geschätzt. Durch Mehrausgaben für Pflegegeld, Pflegesachleistungen und vollstationäre Pflege wird sich dann ein Defizit in von 3 Milliarden Euro ergeben. Professor Rothgang hält es für notwendig, mit dem PSG III einen neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff in der Sozialhilfe einzuführen. Schon mit dem PSG II ging eine Flexibilisierung der Ergänzungs- und Sachleistungen einher, die dann zunehmend in Anspruch genommen wurden. Auch die Leistungen für Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz, das sind insbesondere Menschen mit Demenz, wurden verbessert. Zudem wurden Anreize für die Versorgung von Pflegebedürftigen durch Ärzte geschaffen, die sich allerdings nur gravierend bei der Versorgung von Pflegebedürftigen in Heimen durch Zahnärzte auswirkten. Die Versorgung durch Allgemeinärzte hat sich nicht wesentlich verändert; bei Orthopäden und Nervenärzten war ein leichter Anstieg bei der Versorgung zu beobachten.

Durch die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs wird in Zukunft eine größere Anzahl von Personen als pflegebedürftig anerkannt und die Pflegebedürftigen werden anders als bisher eingestuft werden. Zur Finanzierung stehen Mehreinnahmen aufgrund der Beitragssatzsteigerung von 0,2 Prozent zur Verfügung. Das entspricht 2,5 Milliarden Euro. Für 2017 wird trotzdem ein Defizit von mehr als drei Milliarden Euro erwartet.

Ein Beitrag für Medieninfo Berlin von Edelgard Richter / Dela Press.