Die Digitalisierung im Pressebereich

Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) berichtete am 25. April 2017 in Berlin über die Geschäftslage. Danach erwirtschafteten die deutschen Zeitschriftenverlage im Geschäftsjahr 2016 einen Branchenumsatz in Höhe von 14,8 Mio Euro. Im Vergleich zu 2015 ist der Umsatz damit fast gleich geblieben. Auch für das Jahr 2017 erwarten die Zeitschriftenverlage eine stabile Geschäftsentwicklung. Insgesamt sind in der Branche rund 60.000 Mitarbeiter beschäftigt.

 

Im Unterschied zu den sozialen Netzwerken gibt es in Print, Web und Mobil der Verlage einen geprüften redaktionellen Inhalt. Stephan Scherzer, Hauptgeschäftsführer des VDZ, warb auch dafür, die Menschen an einen sprachlich respektvolleren Umgang im Netz zu erinnern. Hasskommentare führten zu einer sprachlichen Verrohung, die für eine freie Gesellschaft nur abträglich ist. Zugespitzte Kommentare gehörten zum Meinungskampf – Hass führt zu einer ungebremsten Eskalation. Die Bürger sollten ermutigt werden, bei strafrechtlich relevanten Tatbeständen die Strafverfolgungsbehörden einzuschalten.

 

In diesem Zusammenhang wies Scherzer darauf hin, dass die Presse- und Meinungsfreiheit in Europa und auch weltweit immer stärker unter Druck geraten sei. Die politischen Angriffe auf Journalisten und Verlage nähmen zu, insbesondere in der Türkei, in der heute über 150 Journalisten in Haft wären. Es sei unerträglich, dass dort Journalisten, die professionell ihre Arbeit machen, als Terroristen diffamiert würden und keine faire rechtsstaatliche Behandlung erfahren. Scherzer forderte die Freilassung des Journalisten „Die Welt“ Deniz Yücel sowie aller in der Türkei zu Unrecht inhaftierten Journalisten.

 

Kritisiert wurde der Expansionsdrang der öffentlich-rechtlichen Sender. Sie seien schon lange nicht mehr nur Rundfunk, sondern immer mehr Fullservice-Medien-Anbieter. Das Verbot presseähnlicher Angebote von ARD und ZDF sollte auf jeden Fall erhalten bleiben. Scherzer verwies auf eine Umfrage, wonach rund zwei Drittel der befragten Verlage die digitalen Angebote der öffentlich-rechtlichen Anstalten als Wettbewerbsverzerrung sehen, weil sie durch Inhalt und Auftreten direkt mit denen der Verlage konkurrieren.

 

Erfreulich hätten sich die über 4.000 Titel der deutschen Fachpresse entwickelt, was zu einem Wachstum von 1,5 Prozent geführt hat. Die Zielgruppenansprache wurde erweitert und innovative Lösungen für Leser und Werbungtreibende in Zeiten der Digitalisierung vorgestellt. Am digitalen Wandel ist natürlich auch die Zeitschriften-Branche beteiligt, die für das Jahr 2017 im Digitalgeschäft mit einem Umsatzwachstum von gut elf Prozent rechnet. „Ein entscheidender Motor für das Digitalgeschäft ist die Omnipräsenz von Mobile“, begründete Stephan Scherzer. „Die Reichweite des mobilen Internets holt gegenüber derjenigen des stationären Internets in allen Altersgruppen mit Riesenschritten auf – bei den 14- bis 29-jährigen dominiert bereits die mobile Nutzung“.

 

Auch die Umsatzerwartungen der Zeitschriftenverlage für das kommende Jahr zeigen, dass sich das Digitalgeschäft zu einer tragenden Geschäftssäule entwickelt hat. Im klassischen Geschäft erwarten drei Viertel der Verlagsmanager steigende Umsätze bei Online-Angeboten, gefolgt von Mobile – und Paid-Content-Angeboten sowie Sonderausgaben und Specials der Zeitschriften. Rund ein Fünftel der Verlage wird darüber hinaus neue periodische Titel auf den Mark bringen, wobei die Auflagen sich im niedrigen Bereich von bis zu 50.000 Exemplaren bewegen werden.

 

Ein Beitrag für Medieninfo Berlin von Edelgard Richter / Dela Press.