Die Nord-Süd-Bahn

gehört mit ihren fast 60 Jahren eher zu den »jüngeren« Berliner S-Bahn-Linien. Die Linien entlang der Ost-West verlaufenden Stadtbahn existierten längst, als der Ruf nach einer durchgehenden Nord-Süd-Verbindung immer lauter wurde. Sie sollte die Fernbahnhöfe im Süden (Anhalter Bahnhof) und im Norden (Stettiner Bahnhof) miteinander verbinden und das Zentrum der Metropole besser erschließen. Schließlich galt der Potsdamer Platz Ende der zwanziger Jahre als der belebteste in Europa.

 

Die Bauarbeiten begannen 1933. Gewaltige ingenieurtechnische Leistungen waren zu vollbringen. In der Innenstadt stand kein Gelände für Gleisanlagen zur Verfügung, also mußte unter die Erde ausgewichen werden. Und so entstand nicht weit vom Potsdamer Platz entfernt eine paradoxe Situation: es kreuzten sich eine unterirdische S-Bahn und eine überirdische U-Bahn.

 

Die Nord-Süd-Bahn schrieb Berliner Geschichte: 1935 begrub die Tunnel-Baustelle 19

Arbeiter unter sich,

 

1936 wurden zur Olympiade bereits die ersten Kilometer fertig, bevor im Oktober 1939 der durchgehende S-Bahn-Verkehr zwischen Wannsee und Oranienburg aufgenommen wurde. 1945, in den letzten Stunden des Krieges, wurde der Tunnel geflutet und so tausende Schutzsuchende in den Tod geschickt.

 

1948 war der durchgehende Zugverkehr wieder möglich, doch 1961 kam ein neuer Einschnitt: Der Mauerbau ließ in der Innenstadt Geisterbahnhöfe entstehen, denn die Bahn durchfuhr Ost-Berlin lediglich mit Halt am Bahnhof Friedrichstraße.

 

1990 konnten die Bahnhöfe in der City schrittweise wieder eröffnet werden. Nach 30 Jahren ging dort das Leben weiter. Zunächst war jedoch eine grundlegende Sanierung der Strecke nötig. Mit Geduld nahmen die Berliner manche Behinderung in Kauf, bis im Frühjahr 1992 die gesamte Strecke wieder befahrbar war – von Wannsee bis Oranienburg.