Die Pflegesituation in Deutschland

Wieder einmal machte der Arbeitgeberverband Pflege auf das allseits bekannte Problem der demografischen Entwicklung in Deutschland aufmerksam, das zu einer wachsenden Anzahl pflegebedürftiger Menschen führt. Allein aus dem Geburtenjahrgang 1964 werden 1,5 Millionen Menschen aus dem Arbeitsleben ausscheiden.

Obwohl Thomas Greiner, Präsident des Arbeitgeberverbandes Pflege mitteilen konnte, dass nach jahrelangem Stillstand in der abgelaufenen Legislaturperiode eine Reform in der Pflege erfolgte, gibt es nach wie vor viele Probleme allein schon dadurch, das in der Altenpolitik mehrere Ministerien beteiligt sind:

Die Bundesministerien für Gesundheit, für Arbeit und Soziales sowie für Familie. In den 16 Bundesländern gibt es 16 Heimgesetze und 16 Personalverordnungen, die beachtet werden müssen; auch das Baurecht wird ständig verändert, das bei der Ausstattung von Pflegeheimen beachtet werden muss.

Das alles führt zu chaotischen Verhältnissen, die niemand wollte, aber die auch niemand vorausgesehen hatte. Erhöhte Belastungen der Menschen, die in der Pflege tätig sind ist die Folge. Die Löhne der Pflegekräfte wurden angehoben, sind aber nicht refinanziert. Viele kleine Unternehmen im stationären Pflegebereich geben daher auf.

Die nächste Bundesregierung sollte daher mehr in die stationäre Pflege investieren. Präsident Greiner fordert deshalb ein eigenständiges Altenpflegeministerium, das sich um die komplexen Probleme der Altenpflege kümmert.

Friedhelm Fiedler, Vizepräsident Arbeitgeberverband Pflege, führte aus, dass sich in den vergangenen Jahren erfreulicherweise sehr viele junge Menschen für eine Ausbildung in der Altenpflege entschieden haben. So wurden 2015/2016 rund 68.000 für die Ausbildung gewonnen. Wenn viele Branchen klagen,dass ihnen Auszubildende fehlen, so ist dies in der Altenpflege nicht der Fall.

Trotzdem reicht das nicht, denn die Zahl der Pflegebedürftigen nimmt mit jedem Jahr weiter zu; auf inzwischen über 3,4 Millionen. Fiedler erläuterte in diesem Zusammenhang: „Viele Fachkräfte aus EU-Mitgliedstaaten unterstützen uns bereits heute in der Altenpflegearbeit.

Wir brauchen aber auch zusätzlich Mitarbeiter aus Drittstaaten, die bei uns entweder eine hochwertige Altenpflegeausbildung absolvieren oder die als ausgebildete Fachkraft arbeiten“. Fiedler wies darauf hin, dass die Ausbildungsvergütung im ersten Lehrjahr derzeit 1.040, 69 Euro, in zweiten Lehrjahr 1.102.07 Euro und im dritten Lehrjahr 1.203,38 Euro beträgt, was deutlich höher ist als in anderen Branchen.

Er beklagte, dass die Gewinnung solcher Mitarbeiter aufgrund der bürokratischen Hürden sehr zeitaufwendig sei. So gibt es gut ausgebildete Altenpfleger in Tschechien, Polen, Rumänien und Bulgarien. Deutschland konkurriert jedoch mit Ländern wie Schweden, Italien oder England, die ebenfalls Pflegekräfte benötigen. Der Arbeitgeberverband Pflege fordert daher ein modernes Einwanderungsgesetz wie es andere Länder längst haben.

In den Jahren von 1999 bis 2015 wurden im Pflegebereich rund 400.000 Arbeitsplätze geschaffen. Der Bedarf wird aufgrund der alternden Bevölkerung in Deutschland bis zum Jahr 2030 auf 250.000 bis 300.000 Pflegekräfte geschätzt.

Inzwischen beschäftigen die im Arbeitgeberverband Pflege vertretenen Unternehmen Mitarbeiter aus 24 Nationen. Teilweise wurden Flüchtlinge für die stationäre Pflege umgeschult, wobei aus Glaubensgründen einige Besonderheiten zu beachten sind: Nur Männer dürfen auch Männer pflegen, Frauen nur Frauen. Im Pflegeheim muss ein Gebetsraum eingerichtet und die Mahlzeiten den Bedürfnissen der muslimischen Pflegekräfte angepasst werden. Das führt zu weiteren finanziellen Belastungen der Unternehmen.

 

Ein Beitrag für Medieninfo Berlin von Edelgard Richter / Dela Press.