Eines der letzten großen Sanierungsprojekte Baubeginn am „Deutschen Haus“

Die Gerüste sind gestellt, die ersten Abbruch- und Entkernungsarbeiten angelaufen: Eines der letzten großen Sanierungsprojekte in der Beelitzer Altstadt nimmt dieser Tage Fahrt

Deutsches Haus

auf. In gut einem Jahr soll das geschichtsträchtige „Deutsche Haus“ an der Hauptkreuzung in neuem Glanz erstrahlen und – wie vor Jahrzehnten – wieder Gäste bewirten und beherbergen sowie für Veranstaltungen die Tore öffnen.

„Geplant ist, die Rohbauten des Ensembles bis November fertig zu stellen, parallel wird bereits im diesem Sommer der Innenausbau begonnen, der sich dann sicher bis zur endgültigen Fertigstellung ziehen wird“, erklärt Sigrid von der Heiden von der Stadtkontor GmbH. Als Bauherrenvertretung hat sie die Projektleitung übernommen. Die Potsdamer Stadtkontor-Gesellschaft begleitet als Sanierungsträger die seit der Wende laufende Altstadtsanierung in Beelitz.

Im „Deutschen Haus“ betrieb die Beelitzer Familie Lintow eines der ersten Lichtspieltheater der Region: In dem Großen Saal flimmerten schon ab 1911 Stummfilme über die Leinwand, auch als Ausflugsrestaurant und für große Feiern war die Gaststätte beliebt. Vor allem die älteren Beelitzer verbinden schöne Erinnerungen an Konfirmation, Hochzeiten oder ähnliche Anlässe mit diesem Gebäude. Die letzte Nachfahrin der Familie ist vor sechs Jahren verstorben, die Stadt übernahm den Bau von der Nachlassverwalterin und übergab ihn an die Stadtwerke zur Entwicklung. Das kommunale Unternehmen wird hier circa 4,5 Millionen Euro investieren, ein Teil kommt aus Mitteln der Städtebauförderung, bezuschusst wird die denkmalgerechte Sanierung vor allem des Saals und der Gebäudehülle.

Deutsches Haus

„Mit dem Deutschen Haus wird nun auch die letzte Ecke an unserem Eingangstor zur Altstadt saniert“, freut sich Bürgermeister Bernhard Knuth, der das Projekt seit seiner Wahl im Jahr 2010 vorantreibt und unzählige Verhandlungen geführt hat. Die Gebäude auf den anderen drei Ecken der Beelitzer Hauptkreuzung – das Café im Lustgarten, das ehemalige Hotel Zum goldenen Stern und das Geschäftshaus in der Berliner Straße 19 – sind bereits umfangreich erneuert worden. „Noch vor sechs Jahren war die gesamte Kreuzung in einem Zustand, wie das Deutsche Haus im Moment noch“, so Knuth weiter. Als die Dekoplane, mit welcher die Fassade lange Zeit verhüllt war, jetzt fiel, habe er einen Schreck bekommen: „Man hatte sich an die Ansicht schon gewöhnt.“

Wie bei vielen früheren Sanierungsvorhaben in Beelitz ist auch für das Deutsche Haus die zukünftige Nutzung vor dem Baubeginn geklärt worden: Die sieben Appartements im Obergeschoss werden durch ein Beelitzer Hotel betrieben, für das Restaurant werden derzeit Verhandlungen mit mehreren Bewerbern geführt. Den knapp 200 Quadratmeter großen Saal wird die Stadt anmieten und ihn für eigene Veranstaltungen nutzen und ihn auch Vereinen und anderen Nutzern zur Verfügung stellen.

Zunächst allerdings sind die Baufirmen gefragt – und die kommen fast ausschließlich aus Beelitz selbst. „Damit profitiert unsere heimische Wirtschaft schon jetzt von der Sanierung“, erklärt der Bürgermeister, „und auch langfristig werden von dem Gebäude wichtige Impulse für die Stadtentwicklung ausgehen.“ Immerhin entwickeln sich die Gäste- und Übernachtungszahlen in der Spargelstadt seit Jahren positiv. Für weitere Gästezimmer und ein Restaurant ist also jede Menge Spielraum. Projektleiterin von der Heiden sieht auch die kurzen Wege zwischen Firmen, Planer und Behörden als großen Vorteil: „Absprachen erfolgen direkt und bei möglichen Problemen kann kurzfristig reagiert werden.“

Einen unschöner Nebeneffekt der Arbeiten auf dem abgesperrten Gelände hat es allerdings auch schon gegeben: Vor gut einer Woche haben Diebe offenbar gezielt historische Bauelemente wie Türblätter und Kastenschlösser fachgerecht ausgebaut und entwendet. „Und in der Wochen zuvor war fast jeden Morgen die Bautür aufgebrochen“, beklagt Sigrid von der Heiden. Dabei war allerdings noch nichts entwendet worden.

Für die Einschränkungen für Fußgänger an der Baustelle bitten die Verantwortlichen indes um Verständnis: Der Gehweg direkt vor dem Objekt ist zu eng, um einen sicheren Durchgang zu gewährleisten, Passanten müssen die andere Straßenseite nutzen. Um die Verkehrslage vor allem für Kinder und Senioren zu entschärfen, wird in dieser Woche eine Bedarfsampel an der Berliner Straße aufgestellt.

Quelle: Thomas Lähns

Pressestelle der Stadt Beelitz