„Europa muss erwachsen werden“

  „Im Gespräch mit Europa“: Der frühere Außenminister Joschka Fischer wirbt in der Hessischen Landesvertretung in Berlin für eine gemeinsame deutsch-französische Europa-Initiative

 

Joschka Fischer spricht am 10.07.17 in Berlin in der Hessischen Landesvertretung bei der Veranstaltung „Mit Europa im Gespräch“. / Fotograf: Tobias Koch

BERLIN. Ideen und Vorschläge für das gemeinsame Europa standen im Mittelpunkt einer Veranstaltung, zu der Lucia Puttrich, die Hessische Ministerin für Europa- und Bundesangelegenheiten, am Montag in die Hessische Landesvertretung nach Berlin eingeladen hatte. Mehr als 200 Gäste waren der Einladung gefolgt, darunter 40 Botschafter. Die Veranstaltung bildete den vorläufigen Höhepunkt der Veranstaltungsreihe „Im Gespräch mit Europa“, zu der Puttrich seit Anfang 2016 die Botschafter der übrigen 27 EU-Mitgliedstaaten eingeladen hatte.

 

Hauptredner des Abends war der frühere Bundesaußenminister und Vizekanzler Joschka Fischer. Seine politische Karriere hatte in Hessen begonnen, wo er von 1985 bis 1987 und 1991 bis 1994 Umweltminister war. „Europa muss erwachsen werden“, lautete seine Hauptforderung. Es müsse seine Interessen selbst bestimmen und vertreten. Dabei sei eine Rückkehr zum Europa der Nationalstaaten keine Option: „Das künftige Europa muss füreinander einstehen.“ Fischer setzt innerhalb der Europäischen Union stark auf die Zusammenarbeit Deutschlands und Frankreichs und rechnet nach der Bundestagswahl im Herbst mit einer gemeinsamen EU-Initiative. Die schließe die anderen EU-Mitgliedsstaaten nicht aus, aber ohne die Zusammenarbeit von Deutschland und Frankreich komme Europa nicht voran. Fischer: „Man muss sich miteinander vertragen. Deutschland und Frankreich haben viele Friedhöfe gefüllt, um zu dieser Erkenntnis zu gelangen.“

 

Im Vorfeld der Veranstaltung hatte Staatsministerin Lucia Puttrich an die großen Herausforderungen erinnert, vor denen Europa steht. Ganze Generationen seien wie selbstverständlich mit den Errungenschaften der europäischen Einigung aufgewachsen. „Jene, für die all das nie Selbstverständlichkeit war und die uns mahnen, Europa nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen, verlassen uns langsam. Einer ihrer wohl größten Vertreter, dessen Name wie kaum der eines anderen deutschen Politikers neben Konrad Adenauer mit der europäischen Einigung verbunden ist, verließ uns erst kürzlich: Helmut Kohl. Er war es, der einst sagte: Europa ist unsere Zukunft. Europa ist unser Schicksal.“

 

Deshalb sei es sehr erfreulich, dass die Zahl der Menschen, die sich eindeutig zu Europa und seinen Errungenschaften bekennen, in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen sei. Dass in Frankreich Emmanuel Macron mit einem klaren Bekenntnis zu Europa einen so deutlichen Sieg errungen habe, sei ein ermutigendes Zeichen. Auch in der Hessischen Landesvertretung werde man in Zukunft weiter „im Gespräch mit Europa“ bleiben.

 Foto: Tobias Koch

Quelle:

Dr. Michael Horn

Pressesprecher der Hessischen Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten
und Bevollmächtigten des Landes beim Bund