Europäischer Antibiotika-Tag

Anlässlich des Europäischen Antibiotika-Tages am 18. November 2017 rufen der Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) zu einem bewussteren Einsatz von Antibiotika auf.

„Noch immer sind circa 30 Prozent aller Antibiotika-Verordnungen in Deutschland unnötig. Die Folge sind gefährliche Resistenzbildungen und vermeidbare Nebenwirkungen. Deshalb werben wir bei Patienten und Ärzten eindringlich dafür, Antibiotika nur anzuwenden, wenn dies medizinisch wirklich notwendig ist. Ein zielgenauer Gebrauch ist unerlässlich, auch um die Wirksamkeit dieser oft einzigen lebensrettenden Arzneimittel zu erhalten“, erklärte Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des vdek. Elsner erinnerte daran, dass Antibiotika gerade bei Erkältungen in der Regel komplett wirkungslos sind. Diese Erkrankungen werden in 90 Prozent der Fälle von Viren ausgelöst – Antibiotika helfen jedoch ausschließlich bei bakteriellen Infekten.

Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV, sagte: „Deutschlands Ärzte verschreiben Antibiotika bereits sehr zurückhaltend – im europäischen Vergleich liegen wir im unteren Drittel. Aber: Wir können und wollen noch mehr erreichen. Beim Thema Antibiotika sind beide Seiten gefragt: Die Patienten müssen eine realistische Erwartungshaltung haben. Die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen wiederum müssen über Alternativen informieren und aufklären.“

Elsner und Hofmeister warben bei niedergelassenen Ärzten dafür, sich am Projekt RESIST („RESISTenzvermeidung durch adäquaten Antibiotikaeinsatz bei akuten Atemwegsinfektionen“) zu beteiligen. Bereits über zwei Drittel der 3.000 Teilnahmeplätze für das innovative Versorgungsprogramm sind vergeben, viele weitere Anmeldungen von niedergelassenen Ärzten liegen vor. In einigen KV-Bezirken gebe es noch freie Plätze: in Mecklenburg-Vorpommern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Brandenburg.

 

RESIST ist ein Gemeinschaftsprojekt von vdek, Ersatzkassen, KBV und acht Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen). Es hat zum Ziel, die Zahl unnötiger Antibiotika-Verordnungen in Deutschland zu senken. Dazu werden Ärzte und Patienten für die Themen Antibiotikaeinsatz und Resistenzbildungen sensibilisiert – u. a. durchlaufen bis zu 3.000 Haus-, Kinder- und HNO-Fachärzte und Internisten aus den teilnehmenden KVen eine Online-Schulung. Das Projekt wird mit rund 14 Millionen Euro aus Mitteln des Innovationsfonds gefördert. Es war im April 2017 gestartet. An RESIST beteiligen sich die KV-Bezirke Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein, Saarland und Westfalen-Lippe.

Nach dem neuen Versorgungsprogramm können sich alle Versicherten der sechs Ersatzkassen mit Verdacht auf akuten Atemwegsinfekt behandeln lassen. Geschätzt eine Million Patienten werden bis zum Ende der Projektlaufzeit am 30. Juni 2019 von RESIST profitieren. Im Anschluss an die wissenschaftliche Auswertung des Projektes im Frühjahr 2020 wird geprüft, ob das Versorgungskonzept in die Regelversorgung aller gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden soll.

 

Ein Beitrag für Medieninfo Berlin von Edelgard Richter / Dela Press.