Europas größter Psychiatriekongress im City Cube Berlin

Vom 23. bis 26. November 2016 findet im City Cube Berlin der größte Psychiatriekongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) statt, der mit einer feierlichen Veranstaltung eröffnet wurde.

Psychische Erkrankungen zählen in Deutschland zu den Volkskrankheiten. Über

27 Prozent der Erwachsenen sind innerhalb eines Jahres betroffen. Depressionen, Angststörungen und andere psychische Leiden gehören heute zu den häufigsten Gründen für Krankschreibungen und frühzeitige Berentungen. Damit ist die Bedeutung der psychischen Gesundheit für die Gesellschaft heute so groß wie nie zuvor. Trotzdem ist das Versorgungs- und Rehabilitationssystem in Deutschland noch nicht so aufgestellt, wie es für die Betroffenen notwendig wäre.

„Vielerorts sind die Wartezeiten für einen Therapieplatz viel zu lange. In der ambulanten Versorgung entspricht die Bedarfsplanung nicht dem tatsächlichen Hilfebedarf. Zudem werden die Leistungen der niedergelassenen Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie nur ungenügend vergütet. Die stationäre Versorgung steht mit der Einführung des Gesetzes zur Weiterentwicklung der Versorgung und Vergütung von psychiatrischen und psychosomatischen Leistungen (PsychVVG) vor umfassenden Neuerungen, doch zentrale Fragen wie die der Personalausstattung an den Kliniken sind noch ungeklärt“, stellte DGPPN-Präsidentin Dr. Iris Hauth anlässlich der Eröffnung des Jahreskongresses der Fachgesellschaft fest.

Die Herausforderungen in der Versorgung setzen sich im Bereich der beruflichen Rehabilitation fort: Insbesondere Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen sind heute in Deutschland überdurchschnittlich oft von Arbeitslosigkeit betroffen. Dabei würde sich eine regelmäßige Berufstätigkeit positiv auf den Krankheitsverlauf und die Lebenszufriedenheit auswirken. „Wir haben festgestellt, dass die Angebote zur beruflichen Rehabilitation nicht ausreichend bei den Betroffenen ankommen. Das System ist ausgesprochen kompliziert und unübersichtlich. Es basiert auf unterschiedlichen Sozialgesetzbüchern und ist stark zergliedert. Vor allem an der Schnittstelle zwischen Akutbehandlung und Rehabilitation fehlen einfach umsetzbare Möglichkeiten zur Steuerung. Die Folgen: Zu wenig Effektivität bei der Wiedereingliederung in die soziale Gemeinschaft“, so Dr. Iris Hauth weiter.

Weil Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen es auf dem ersten Arbeitsmarkt schwer haben, eine Tätigkeit zu finden, hat die DGPPN auf dem Jahreskongress in Berlin einen neuen Teilhabekompass vorgestellt. Dieser bietet erstmals einen Überblick über die zahlreichen Angebote der beruflichen Rehabilitation. Gleichzeitig forderte die Fachgesellschaft die Gesundheits- und Sozialpolitik auf, der Bedeutung psychischer Erkrankungen stärker Rechnung zu tragen.

 

Ein Beitrag für Medieninfo Berlin von Edelgard Richter / Dela Press.