Forderungen an die Bundesregierung

Der Deutsche Raiffeisenverband e.V. (DRV) informierte im Hinblick auf die Bundestagswahl im September 2017 über die Lage der Agrarwirtschaft in Deutschland. Dazu führte DRV-Präsident Manfred Nüssel aus, dass die den Verband angehörenden 2.186 landwirtschaftlichen Genossenschaften eine ganzheitliche, ressortübergreifende, innovationsfreundliche, wissenschaftsbasierte und wettbewerbsgerechte Agrar-, Umwelt- und Wirtschaftspolitik fordern, die die Attraktivität der ländlichen Räume fördert. Zugleich sind die Voraussetzungen für den wachsenden internationalen Agrarhandel zu schaffen, weshalb bei der EU in Brüssel die Interessen der Agrarwirtschaft mit mehr Nachdruck vertreten werden sollten, um beeinträchtigende Wettbewerbsbedingungen zu beseitigen.

 

Der DRV-Präsident erwartet, dass die nächste Bundesregierung für faire Rahmenbedingungen sorgt. Die Bundesregierung muss sich dafür einsetzen, dass in der Gemeinschaft einheitliche wirtschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen gelten, damit die Unternehmen Rechts- und Planungssicherheit haben.

 

Tierschutz- und Markenprogramme sind so zu gestalten, dass der dadurch entstehende Mehraufwand auf allen Stufen der Wertschöpfungskette anerkannt und über den Markt refinanziert werden kann.

 

Unbestritten sind Welternährung und Klimawandel die zentralen Herausforderungen der Weltgemeinschaft. Der Agrarwirtschaft kommt eine Schlüsselrolle bei der Bekämpfung des Hungers und der Begrenzung des Klimawandels zu. Schließlich umfasst die Agrarwirtschaft die gesamte Versorgungs- und Wertschöpfungskette vom landwirtschaftlichen Betrieb bis zum Verbraucher.

 

Nüssel führte dazu aus: „Die Antworten auf eine wachsende Weltbevölkerung und den Klimawandel sind freier und fairer internationaler Handel sowie Innovationen in der Agrarwirtschaft. Der Klimawandel gefährdet aber die landwirtschaftliche Produktivität und damit die Stabilität der Nahrungsmittelpreise. Wenn jedoch Nahrungsmittel knapper werden und die Preise steigen, dann müssen die Verbraucher mehr ausgeben. Mangelernährung und Hunger nehmen zwangsläufig zu“.

 

Als Lösung schlägt der DRV die ressourcenschonende Steigerung der Produktivität in der Agrarwirtschaft und stellt fest: Um den wachsenden Bedarf zu decken, muss die Produktivität der Landwirtschaft bis 2050 um rund 60 Prozent gesteigert werden. Dies soll jedoch ohne den Einsatz von Gentechnik erfolgen. Für Nachhaltigkeit bei der Nutztierhaltung setzen sich der DRV und weitere Verbände der Vieh- und Fleischwirtschaft ein, denn der europäische Nutztiersektor kann langfristig nur erfolgreich sein, wenn er sich nachhaltig ausrichtet, wobei Veränderungen in der Nutztierhaltung nicht einseitig und zu ihrem Nachteil umgesetzt werden dürfen.

 

Effektiver Pflanzenschutz und neue Züchtungsmethoden sind unverzichtbar für die Sicherheit und die Qualität von Lebens- und F,uttermitteln, Die Zulassungsverfahren für Innovationen auf diesem Gebiet müssen ohne Verzögerung abgeschlossen werden. Zum wirtschaftlichen Erfolg der Genossenschaftsbetriebe führte DRV-Hauptgeschäftsführer Dr. Henning Ehlers aus, dass insgesamt ein Umsatzrückgang um 4,8 Prozent auf 58,8 Mrd Euro zu verzeichnen ist. Ein leichtes exportbedingtes Plus um 2,5 Prozent gab es bei der genossenschaftlichen Vieh- und Fleischwirtschaft.

 

Das Geschäftsergebnis bestätigt die Abhängigkeit des deutschen Agribusiness von internationalen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen: Geopolitische Unsicherheiten, eine geschwächte Europäische Gemeinschaft, fortwährende Handelsblockaden und gesellschaftpolitische Diskussionen stellen die Zukunft der Branche in Frage. „Unsere Genossenschaften und ihre Mitglieder sehen die notwendige Planungssicherheit gefährdet und den Rückhalt in der Gesellschaft schwinden“, sagte Dr. Ehlers. Für ein weiteres Wachstum müssen zahlungskräftige Drittlandsmärkte erschlossen werden. Den Überlegungen im Bundesrat, Pfand auf alle Getränkeverpackungen einzuführen, erteilte Dr. Ehlers eine Absage.

 

Ein Beitrag für Medieninfo Berlin von Edelgard Richter / Dela Press.