Gesundheitskosten gerechter verteilen

Die Wahlen zum Deutschen Bundestag im September 2017 werfen ihr Schatten voraus. Nach Meinung von Uwe Klemens, Vorsitzender des Verbandes der Ersatzkassen e. V. (vdek), wird die Frage der gerechten Verteilung der Gesundheitskosten in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) eine zentrale Rolle spielen. „Es ist auf Dauer nicht hinnehmbar, dass allein die Arbeitnehmer die steigenden Kosten im Gesundheitswesen über Zusatzbeitragssätze tragen müssen“, sagte Klemens. Nach seiner Aussage erkennen immer mehr Arbeitgeber, dass sie es ihren Beschäftigten nicht mehr zumuten können, die durch den gesundheitlichen Fortschritt entstehenden Kosten allein über Zusatzbeiträge zu finanzieren.

 

Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzender des vdek, forderte erneut schnelle Reformen   beim 1994 eingeführten morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA), denn bekanntlich erhalten regionale Krankenkassen deutlich mehr Geld aus dem Gesundheitsfonds als sie zur Versorgung ihrer Versicherten benötigen. Krankenkassen, deren Mitglieder in Städten mit einer hohen Krankenhaus- und Ärztedichte wohnen, sind deshalb im Nachteil. Auch der Preis für neu zugelassene Medikamente muß bezahlbar bleiben, denn hierfür fordern die Pharmaunternehmen zum Teil Mondpreise. Zahlreiche neue Therapien, wie beispielsweise die Behandlung von Multipler Sklerose (MS) oder Krebs, kosten mehr als 100.000 Euro je Patient. Kostensteigerungen führten schließlich zu Beitragserhöhungen.

 

Das geplante Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln sollte nicht erfolgen, denn der Anteil ist mit etwa einem Prozent vom Gesamtumsatz immer noch sehr gering. Für Versicherte ist die Online-Apotheke jedoch eine willkommene Versorgungsalternative. Eine Flexibilisierung der geltenden Arzneimittelpreisverordnung sollte vom Gesetzgeber vorgenommen werden, denn bisher sind die etwa 3.000 deutschen Versandhandelsapotheken gegenüber ausländischen im Nachteil, denn sie dürfen keine Boni gewähren. Auch das Verbot der Zytostatika-Ausschreibungen sollte noch einmal überdacht werden, das den Kassen 2009 eingeräumt wurde. Krankenkassen berichten über positive Erfahrungen mit Ausschreibungsverträgen. Durch Zytostatika-Ausschreibungen könnten Rabatte von 600 bis 700 Mio Euro realisiert werden.

 

Nach Aussage von Uwe Klemens besteht auch dringend Nachbesserungsbedarf bei der Beitragsfinanzierung für Arbeitslosengeld-II-Empfänger, denn der Beitrag, den die Bundesagentur für Arbeit (BA) für Langzeitarbeitslose monatlich in Höhe von 100 Euro für jeden Versicherten entrichtet, reichen zur Versorgung bei weitem nicht aus, so dass alle Beitragszahler belastet werden.

 

Ein Beitrag für Medieninfo Berlin von Edelgard Richter / Dela Press.