Künstliche Intelligenz in der Medizin

Immer mehr Arbeiten in der Medizin werden von Robotern besser erledigt als von Menschen: Selbst die erfahrenste Krankenschwester kann es nicht so gut: Ein Blutabnahme-Roboter erkennt mittels Infrarot- und Ultraschallmessung die genaue Lage auch der verstecktesten Vene und führt die Nadel schonend ins Ziel.

 

Der präzise Schnitt zur Entfernung von bösartigem Gewebe oder der minimalinvasive Eingriff in den Brustraum ohne Öffnung des Brustkorbs – solche Operationen sind ohne Robotik schon heute oft kaum noch Stand der Technik in der Medizin. Der Roboter schneidet, der Arzt sitzt mit einer 3D-Brille an einem Rechnersystem. Tausende von Medizin-Robotern werden inzwischen jedes Jahr verkauft. Und Hunderttausende Operationen werden damit durchgeführt; so eine Statistik der Internationalen Föderation für Robotik.

 

Über kurz oder lang wird künstliche Intelligenz auch mit ärztlichem Wissen in Konkurrenz treten. So wie vor zwei Jahren in Japan: Ärzte wussten bei der Behandlung einer Leukämie-Patientin nicht mehr weiter. Erst als sie deren diagnostische Daten von einem Supercomputer mit 20 Millionen Datensätzen abgleichen ließen, konnten der spezielle Erkrankungstyp identifiziert und die Patientin gerettet werden.

 

Aber auch das klassische Krankenhaus befindet sich im Umbruch. Im extrem dünn besiedelten Lappland ist für manchen Patienten das Krankenhaus über

400 Kilometer weit weg. Patienten gehen dort in lokale Gesundheitszentren – quasi Krankenhäuser ohne Ärzte – und nutzen Tele-Radiologie, Video- und Tele-Konsultation sowie Tele-Training. Ihre Daten werden dazu ins Zentralkrankenhaus Lapplands übertragen.

 

Und das Mercy Vitual Care Center in Chesterfield im US-Staat Missouri ist ein Krankenhaus mit 30 Mitarbeitern, aber keinem einzigen Bett – ein Krankenhaus ohne Patienten. Bis hin zum Schlaganfall wird in dem 54 Millionen US-Dollar teuren Haus alles per Telemedizin behandelt.

 

Der Ort, an dem Diagnostik und Behandlung stattfinden, verschiebt sich so immer mehr in den privaten Lebensbereich des Patienten. Das könnte die Gesundheitswirtschaft erst recht umkrempeln: Denn wer die Vitaldaten der Patienten sammelt, künstliche Intelligenz programmiert und Roboter entwickelt, könnte dereinst die zentrale Position im Markt einnehmen – und die klassische Medizin möglicherweise schlicht zur Zulieferindustrie machen.

 

Ein Beitrag für Medieninfo Berlin von Edelgard Richter / Dela Press.