Mehr bauen

Die deutsche Bauwirtschaft hofft auf ein gutes Jahr 2017. Schließlich sind die Auftragsbücher gut gefüllt: Zum Jahreswechsel lagen Aufträge in Höhe von 35 Mrd Euro vor. Dipl-Ing. Peter Hübner, Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie e.V., führte aus, dass die Baukonjunktur besser läuft als zu Beginn des Jahres erwartet. Das ist nicht nur auf den Bedarf an zusätzlichem Wohnraum, sondern auch darauf zurückzuführen, dass den Kommunen öffentliche Mittel für Investitionen zur Verfügung stehen.

 

Im Jahr 2016 wurden im Wohnungsneubau 278.000 Einheiten fertiggestellt; es wurden 375.000 Baugenehmigungen erteilt. Insbesondere in den Ballungszentren und attraktiven Schwarmstädten fehlt es an bezahlbarem Wohnraum. Neue Wohnungen werden überwiegend für einkommensschwächere Haushalte benötigt, d.h. für junge Leute, die am Beginn ihres Berufslebens stehen, aber auch für Studenten und Migranten. 40.000 bis 50.000 Wohnungen, die derzeit in diesem Segment gebaut werden, reichen bei Weitem nicht aus. Deshalb ist die Bauwirtschaft an einer stärkeren Standardisierung des Wohnungsbau interessiert, der deutschlandweit in Serie umgesetzt werden werden könnte. Auch die Digitalisierung von Bauprojekten könnte dazu beitragen, dass in kürzerer Zeit neue Wohnungen entstehen. Mit Building Information Modelling (BIM) kann dies realisiert werden. Dänemark schreibt beispielsweise für alle öffentlichen Vorhaben mit einem Volumen von mehr als 670.000 Euro die BIM-Methode vor. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur hat inzwischen 20 BIM-Pilotprojekte in den Bereichen Schiene, Straße und Wasserstraße gestartet; es werden 30 Mio Euro dafür investiert. Es soll unter anderem auch ein BIM-Kompetenzzentrum zur Qualifizierung von Bauunternehmen und Auftraggebern aufgebaut werden.

 

Beim Wirtschaftsbau besteht durch die Zuwanderung eine steigende Nachfrage nach Büroarbeitsplätzen. Außerdem sind im Schienenwegebau der Deutschen Bahn AG derzeit bundesweit 38 Großprojekte im Bau mit einem Investitionsvolumen von

7,5 Mrd Euro. Zudem modernisiert die Bahn viele ihrer Bahnhöfe. Auch die Baugenehmigungen für Fabrik- und Werkstattgebäude sind im vergangenen Jahr um 32 Prozent gestiegen; für Handels- und Lagergebäude um 21 Prozent. Beim Verkehrswegebau werden die Investitionen des Bundes bis 2018 auf knapp 14 Mrd Euro steigen.

 

Durch die gute Baukonjunktur wird die Beschäftigung im Bauhauptgewerbe 2017 steigen. Wenn auch 2018 mehr Mitarbeiter eingestellt werden, steigt die Anzahl der in der Branche Beschäftigten auf mehr als 800.000. 2016 lag der Jahresdurchschnitt der arbeitslosen Baufacharbeiter bei 27.700; 1.739 Bau-Ingenieure waren arbeitslos. Im gleichen Jahr konnten etwa 12.000 Ausbildungsverträge abgeschlossen werden, davon entfielen rund 10.800 auf den gewerblichen Bereich. 2016 haben etwa 11.000 Studenten ein Bauingenieur-Studium mit einem Bachelor oder Master abgeschlossen.

 

Zu Beginn der nächsten Legislaturperiode sollte schnellstens ein Gesetz zur Beschleunigung der Planungs- und Genehmigungsverfahren erlassen werden. Außerdem ist eine EU-Initiative der Bundesregierung erforderlich, um die von der EU erlassenen Normen hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsschutz, Standfestigkeit, Brandschutz sowie zu Wärme- und Schallschutz zu überprüfen, da sie zu erheblichen Schäden für Bauunternehmen, Bauwerksnutzer, Verbraucher und Umwelt führen können.

 

Ein Beitrag für Medieninfo Berlin von Edelgard Richter / Dela Press.