Nachwuchssorgen bei den Bäckern

Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks e. V., vertreten durch seinen Präsidenten, Michael Wippler, berichtete über die Entwicklung des Bäckerhandwerks in den letzten Jahren. Waren es 2006 noch 14.280 Betriebe, so wurde 2016 nur noch in 11.974 Bäckereien Brot gebacken. Das ist in zehn Jahren ein Rückgang von 38 Prozent. Trotzdem gelang eine Umsatzsteigerung um

20 Prozent auf insgesamt 14,29 Mio Euro.

Das Team v.d. Bäckerei / Kontiorei Plentz aus Schwante Foto: gm

 

Geprägt ist das Bäckerhandwerk weiterhin von kleinen Betriebsstrukturen, denn 64,3 Prozent der Betriebe erwirtschaften einen jährlichen Umsatz von unter 500.000 Euro. Der größte Anteil am Umsatz wird von den 4,6 Prozent der Betriebe mit über 5 Mio Euro Umsatz im Jahr erwirtschaftet. Der gute Umsatz ist aber nur dadurch gelungen, dass die Bäcker heutzutage nicht nur flexibel, sondern auch kreativ sind und durch neue Konzepte neue Geschäftsfelder erschließen. So beteiligt sich das Bäckerhandwerk stark am Außer-Haus-Markt. Zudem konnte ein Wachstum von 1,5 Prozent im Marktsegment Quick-Service-Restaurants verzeichnet werden. 20 Prozent aller Besuche in Bäckereien entfallen auf den schnellen Imbiss, den über eine Milliarde Besucher im vorigen Jahr wahrgenommen haben. Bei der Beschäftigtenzahl wurde lediglich ein leichter Rückgang verzeichnet, was leider bei den Auszubildenden nicht der Fall ist. So sank die Anzahl der Azubis von 36.209 im Jahr 2006 in zehn Jahren auf nur 17.874. Das führt heute bereits zu gravierenden Engpässen und offenen Fachkräftestellen.

Wippler führt das Fehlen von Auszubildenden auf die demografische Entwicklung, die zunehmende Akademisierung sowie einen Generationenkonflikt zurück. Er führte in diesem Zusammenhang aus: „Der Nachwuchs ist unsere Zukunft. So engagieren wir uns an allen Fronten, um die Attraktivität und die Ausbildungsqualität unseres Handwerks zu erhöhen. Reformen wie Ausbildungsverordnung, Einsatz von Ausbildungsbeauftragten, Korrektur der staatlichen Bildungs- und Familienpolitik in Zusammenarbeit mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks – dies sind nur einige weitere Punkte, die an dieser Stelle zu nennen sind. Der wichtigste Baustein ist aus meiner Sicht aber noch immer unsere Nachwuchskampagne „Back dir deine Zukunft“. Die Ausbildungsvergütung wurde erstmals zum 1.9.2016 erhöht und jetzt noch einmal zum 1.9.2017. Hilfreich könnte auch das Integrationsgesetz sein, denn nach einer Ausbildungszeit von drei Jahren dürfen Flüchtlinge noch zwei Jahre weiterbeschäftigt werden. Dies gilt nicht nur für anerkannte, sondern auch für geduldete Flüchtlinge.

Daniel Schneider, Hauptgeschäftsführer der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks, beklagte, dass die Lebensmittelinformationsverordnung ein Bürokratiemonster und eine einzige Katastrophe sei. Kaum ein Bäcker versteht, was er an zusätzlichen Pflichten übernehmen muss. Die Trennung zwischen Bedienungs- und Selbstbedienungsverkauf ist zu kompliziert und die Kennzeichnungsvorschriften sind ohne juristische Kenntnisse kaum nachvollziehbar. Reduktionsmaßnahmen will die EU verbindlich vorschreiben, um die Bildung des krebserregenden Acrylamids, das durch Überhitzung von Stärke entstehen kann, zu verhindern. Im Hinblick darauf sind jedoch noch weitere wissenschaftliche Studien erforderlich.

Präsident Wippler wies unter anderem darauf hin, dass die Schmerzgrenze bei dem Anstieg der EEG-Umlage erreicht sei. Schliesslich würden Bäckerei-Großbetriebe diese nicht zahlen, wohl aber die Handwerksbetriebe. Er fordert eine Gleichbehandlung für alle Bäckereibetriebe.

Foto: (von li.nach re.) Cem Özdemir, Michael Wipper

Zum Botschafter des Deutschen Brotes 2017 wurde Cem Özdemir ernannt. Er engagiert ich für Tradition und Integration und wurde nicht nur deshalb zum Schirmherrn der Nachwuchskampagne gewählt. Im Vorjahr war es der Schauspieler Simon Licht, der in einer TV-Serie des SWR einen Bäcker spielte.

 

Ein Beitrag für Medieninfo Berlin von Edelgard Richter / Dela Press.

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