Rheumapatienten unterversorgt

Aus Anlass der am 24. September 2017 stattfindenden Wahlen zum Deutschen Bundestag stellte die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V. (DGRh) am

  1. April 2017 in Berlin die Aktualisierung des zuletzt 2008 erschienenen Memorandums zur rheumatologischen Versorgung vor. Das erste Memorandum wurde 1993 veröffentlicht. Seitdem ist auf dem Gebiet der Rheumabehandlung viel geschehen, aber nicht genug, weshalb jetzt die Politik gefragt ist.

 

Wie ein Rheuma-Patient anschaulich schilderte, hatte er von 1976 bis 2009 eine lange Leidensgeschichte hinter sich bis bei ihm Rheuma diagnostiziert wurde und seine Leiden endlich adäquat von einem Rheumatologen behandelt werden konnten. Auf einen Termin musste er jedoch vier Monate warten. Jetzt geht es ihm gut, seine Lebensqualität hat sich deutlich verbessert und er kann sogar Sport treiben.

 

Derzeit leiden mehr als 1,5 Millionen Erwachsene in Deutschland an entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Doch oftmals wird Rheuma nicht rechtzeitig erkannt und deshalb auch nicht angemessen behandelt. Eine Ursache liegt im Medizinstudium, in dessen Verlauf die Rheumatologie nur sehr kurz behandelt wird. Zudem gibt es zu wenig universitäre Lehrstühle. Es gibt 37 Fakultäten in Deutschland, an denen Medizin gelehrt wird, aber nur an sieben Medizinischen Fakultäten Lehrstühle für Rheumatologie. Es fehlt an jungen Ärzten, die sich rheumatologisch weiterbilden“, sagte Professor Dr. med. Hanns-Martin Lorenz, Präsident der DGRh, Oberarzt und Leiter der Sektion Rheumatologie am Universitätskrankenhaus Heidelberg.

 

Rheuma ist eine systemische Erkrankung, die sich in allen Körperregionen manifestieren kann. Die Lebenserwartung ist eingeschränkt, kann sich aber normalisieren, wenn die entzündungsbedingten Schmerzen gemildert werden. „Angesichts der Vielfalt und Komplexität rheumatisch-entzündlicher Erkrankungen bleibt der Forschungsbedarf hoch“, sagte Professor Dr. med. Matthias Schneider, Generalsekretär der DGRh und Direktor der Poliklinik und des Funktionsbereichs Rheumatologie am Universitätsklinikum Düsseldorf.

 

Dr. Kirsten Karberg, Vorsitzende des Rheumazentrums Berlin, niedergelassene Fachärztin für Rheumatologie und Innere Medizin, die ihre Rheumapraxis in Berlin-Steglitz hat, berichtete, dass einerseits die Möglichkeiten der Zulassung für rheumatologisch-internistische Ärzte eingeschränkt ist und zum anderen die Budgetierung Ärzte davon abhält, sich mit Rheumapatienten zu befassen. Für einen Rheumapatienten werden im Quartal pro Patient lediglich 33 Euro von der Krankenkasse gezahlt. Die empfohlene Gesprächsdauer von 20 Minuten pro Patient reichen keinesfalls aus; bei einer Neu-Erkrankung dauert die Beratung mindestens 30 bis 40 Minuten. Es sind neben Fragen der Therapie auch die Auswirkungen der Erkrankung auf Arbeit und Familie zu besprechen. Eine frühe Diagnose und eine frühe Therapie sind wichtig, um langfristige Folgeschäden zu vermeiden.

 

Bereits im Jahr 2008 hat die DGRh in einem Memorandum den Bedarf für eine rheumatologische Versorgung in Deutschland dargestellt. Inzwischen haben sich die Versorgungsmöglichkeiten kaum verbessert, denn es werden allein in der ambulanten Versorgung fast 600 zusätzliche internistische Rheumatologen benötigt. In der akutstationären Versorgung fehlen bis zu 400 Rheumatologen, in der rehabilitativen Versorgung rund 80. Die Defizite in der ambulanten Versorgung sind lange Wartezeiten und eine Krankheitsdauer von fast einem Jahr bis es zu einem Erstkontakt mit einem Rheumatologen kommt. Zudem gibt es keine flächendeckende Erreichung der Betroffenen.

 

Ein Beitrag für Medieninfo Berlin von Edelgard Richter / Dela Press.