Schicksalstag der Deutschen

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin, erklärte zum 9. November:

„Der 9. November steht für die Licht- und zugleich für die Schattenseiten deutscher Geschichte. Unser Land und besonders Berlin erinnern sich an diesen Tag des glücklichen Moments der Öffnung der Mauer, die unsere Stadt so lange geteilt hat. Dabei können und dürfen wir jedoch nie die Todesopfer, die vielfältigen Verletzungen und Leiden infolge der Teilung vergessen. Zugleich ist dieser Tag immer auch Anlass, sich zu vergegenwärtigen, wie die Mitbürgerinnen und Mitbürger in der DDR und im Ostteil unserer Stadt das SED-Regime auf friedliche Weise zu Fall gebracht haben. Wenn wir an der Mauergedenkstätte Kerzen entzünden, dann ist das Zeichen der Erinnerung an die, die an Mauer und Stacheldraht ihr Leben gelassen haben. Aber die brennenden Kerzen dürfen auch als Zeichen dafür verstanden werden, wie die Menschen in der DDR für die Freiheit gekämpft haben – mit brennenden Kerzen in ihren Händen“.

 

Der Regierende Bürgermeister weiter: „Dieser Gedenktag steht zugleich für das Erinnern an die Novemberprogrome der Nationalsozialisten, die am 9. November 1938 auch in Berlin ihren Anfang nahmen. Es ist und bleibt beschämend, dass zu wenige etwas unternahmen, um ihren jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern beizustehen. Das war vor dem 9. November schon so, und das bliebt auch so, als jüdische Nachbarn, Bekannte, freunde oder Geschäftspartner deportiert wurden“.

 

Müller fügte hinzu: „Der organisierte Massenmord an den Juden und der von den Nationalsozialisten begonnene Zweite Weltkrieg waren nur möglich, weil nicht genügend Menschen aufgestanden sind und für ihre Demokratie gekämpft haben. Die deutsche Teilung war das Ergebnis dieses fehlenden Einsatzes für die Demokratie. Auch und gerade daran zu erinnern, ist unsere Verpflichtung gegenüber den Opfern und aus aktuellem Anlass auch für die Gegenwart und die Zukunft. „Wehret den Anfängen!“ ist und bleibt unsere Pflicht. Wir müssen besonders den nachfolgenden Generationen das Bewusstsein vermitteln, dass in einer freien und demokratischen Gesellschaft für Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsradikalismus kein Platz ist und dass Tag für Tag Zivilcourage und engagierter Einsatz für den demokratischen Staat erforderlich sind, um unsere Form des friedlichen Zusammenlebens zu bewahren“.

 

Der Regierende Bürgermeister nimmt am 9. November ab 10.00 Uhr an der Gedenkveranstaltung zum 27. Jahrestag der Öffnung der Berliner Mauer mit Posaunenruf an der Hinterlandmauer, an der Andacht in der Kapelle der Versöhnung sowie dem Entzünden der Kerzen an der Gedenkstätte Berliner Mauer teil.

 

Aber auch an die deutsche Geschichte, die an einem 9. November stattfand, sei hier erinnert: Am 9. November 1918 kam die Revolution nach Berlin und die Abdankung von Kaiser Wilhelm II. wurde verkündet. Einige Jahre später versuchte Adolf Hitler gewaltsam an die Macht zu gelangen: Am 9. November 1923 fand der Marsch auf die Feldherrnhalle in München statt, der von der Polizei gestoppt wurde.

Ein Beitrag für Medieninfo Berlin von Edelgard Richter / Dela Press.