Schmerzfreiheit durch Endoprothetik

 Vom 9. bis 10. Dezember 2016 findet in Berlin der Kongress der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik statt, auf dem sich die Mediziner mit dem Thema „Risikominimierung und Komplikationsmanagement in der Endoprothetik“ befassen werden.

Seit die Arbeitsgemeinschaft für Endoprothetik (AE) vor 20 Jahren gegründet wurde hat sich auf diesem Gebiet viel getan. Insgesamt ist nicht nur die Qualität der Versorgung mit Knie- und Hüftgelenken gewachsen, sondern auch die Erfahrung der Operateure.

Rund 400.000 künstliche Gelenke werden in Deutschland jährlich in Hüfte und Knie eingesetzt. Die Hüft-Endoprothetik wird gern als Operation des Jahrhunderts bezeichnet. Trotzdem wird die Implantation von Endoprothesen in den letzten Jahren in der Öffentlichkeit negativ diskutiert. Aufgrund internationaler Vergleichszahlen gibt es die Meinung, dass in Deutschland unnötig oft operiert wird. Der Anstieg der Fallzahlen ist jedoch seit dem Jahr 2005 entsprechend der demografischen Entwicklung verlaufen und liegt bei etwa 1 bis 2 Prozent pro Jahr. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass mit dieser Operation eine schmerzfreie Mobilität der Patienten erreicht werden kann, was wesentlich zur Lebensqualität in höherem Alter beiträgt.

Doch die deutsche Gesellschaft für Endoprothetik e. V. (AE) sieht die Patientensicherheit und die hohen Qualitätsstandards in der orthopädischen Versorgung gefährdet. Mit dem Krankenhausstrukturgesetz von 2016 wollte die Bundesregierung die Qualität der Versorgung fördern. Zum 1. Januar 2017 werden jedoch die Pauschalen für den Hüftgelenkersatz sowie für zahlreiche Maßnahmen bei der Wirbelsäulen-Therapie gesenkt, so dass in Zukunft wohl weniger hochwertige Implantate Verwendung finden können, die Patienten noch früher aus der Klinik entlassen werden und es längere Wartezeiten für eine Operation geben wird. Der DRG-Fallpauschalen-Katalog 2017 sieht zahlreiche Kürzungen vor: So erhalten Kliniken beispielsweise für eine einfache Hüft-Total-Endoprothese

5,75 Prozent weniger an Vergütung als bisher und für 2018 ist eine weitere Absenkung vorgesehen.

Professor Dr. Karl-Dieter Heller, Chefarzt der Orthopädischen Klinik Braunschweig, erklärte: „Zu diesem Preis können wir die hohe Qualität unserer Versorgung nicht mehr halten“. Die Folgen der Sparmaßnahmen erläuterte er am Beispiel der Implantate-Auswahl für den künstlichen Hüftgelenkersatz: „Schon jetzt ist die Implantation einer hochwertigen Kurzschaftprothese mit einer Keramik-Keramik-Gleitpaarung nicht mehr kostendeckend möglich. Mit der zukünftigen Kürzung sind insbesondere spezialisierte Kliniken gezwungen, preiswertere Implantate auszuwählen. Mit einer geringeren Qualität der Implantate sinkt allerdings auch deren Verweildauer im Körper. In letzter Konsequenz könnte das in zehn Jahren eine deutlich erhöhte Rate an Revisions-Operationen zur Folge haben“. Zudem ist durch den demografischen Wandel in den nächsten 20 Jahren mit einem erhöhten Versorgungsbedarf im Bereich der Arthrose-Behandlung zu rechnen.

Zukünftig sollen nicht nur die Fallpauschalen für operative Eingriffe schlechter bezahlt werden. Zusätzlich werden auch die Möglichkeiten der konservativen stationären Behandlung erschwert: Kliniken, die mehr Patienten als der Bundesdurchschnitt konservativ therapieren, sollen weniger Behandlungskosten erstattet bekommen. Der Grundsatz der Mediziner lautet jedoch: „Gelenkerhalt vor Gelenkersatz“. Etwa 90 Prozent der eingesetzten Prothesen halten länger als

15 Jahre, die Komplikationsrate liegt bei weniger als drei Prozent. Damit geht eine sehr hohe Patientenzufriedenheit einher.

Um die Qualität in der Endoprothetik zu erhalten und stetig zu verbessern, ist eine flächendeckende Qualitätssicherung entscheidend. „Hier setzen wir insbesondere auf Register wie das Endoprothesenregister Deutschlands (EPRD), die die Standzeit und mittelfristig auch die Funktion der implantierten Prothesen vergleichen und es uns somit erlauben, die beste Implantatwahl für jeden Patienten zu realisieren“, so Professor Dr. Carsten Perka, Direktor des Centrums für Muskuloskeletale Chirurgie, Charité-Universitätsmedizin Berlin.

Professor Dr. Wolfhart Puhl, Sprecher der AE-Akademie Ofterschwang, ergänzte, dass zwar ständig neue Prothesen auf den Markt kämen, aber die Erkenntnisse über die bisher verwendeten nicht gesammelt oder ausgewertet wurden. Deshalb wird ein verpflichtendes Endoprothesenregister gefordert. Auch über die aufgetretenen Komplikationen sollten Daten erhoben werden, forderte Professor Dr. Henning Windhagen, Direktor der Orthopädischen Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) im Annastift, denn die Versorgung von Patienten ohne Komplikationen ist durchaus wirtschaftlicher.

Ein Beitrag für Medieninfo Berlin von Edelgard Richter / Dela Press.