Therapiesicherheit verbessern

Die Barmer GEK und die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe werden sich in den nächsten Jahren in einem großangelegten Projekt der Mehrfachmedikation von Patienten widmen. Die Patientendaten werden von der Barmer GEK zur Verfügung gestellt, jedoch wird jeder Patient gesondert um seine Einwilligung zur Teilnahme an dem Projekt gebeten. So soll es für bundesweit 18,6 Millionen Menschen künftig mehr Sicherheit bei der Arzneimitteltherapie geben.

Das Projekt mit dem Namen „AdAM“ sieht vor, dass die Hausärzte von der Krankenkasse mit Genehmigung des Patienten eine Liste über die ihm verordneten Arzneimittel erhält. Wie Dr. med. Mani Rafii, Vorstand der Barmer GEK, ausführte, kann es bei gleichzeitiger Einnahme verschiedener Medikamente zu Komplikationen kommen. Beispielhaft nannte Dr. Rafii: „Nimmt eine Frau die Pillen, um zu verhüten und gleichzeitig Johanniskraut gegen Depressionen, kann sie ungewollt schwanger werden. Auch ein plötzlicher Herztod kann durch eine ungeeignete Kombination von Arzneimitteln ausgelöst werden. Wer bestimmte Blutverdünner und zugleich Schmerzmittel schluckt, dem drohen innere Blutungen“. Wenn Menschen mehrere Medikamente gleichzeitig nehmen, kann der notwendige Überblick fehlen. Das soll künftig durch AdAM verhindert werden.

Aus vorherigen Studien ist bekannt, dass 30 Prozent der Patienten mit acht und mehr Arzneimitteln und zehn Prozent mit neun und mehr Arzneimitteln nicht vollständig angeben können, welche Medikamente sie nehmen. Auch Hausärzten fehlt häufig der Überblick. Im schlimmsten Fall kann das lebensbedrohlich sein. Bei einem Überblick über die Gesamtmedikation, in der auch die Selbstmedikation der Patienten enthalten sein sollte, kann der Arzt gefährliche Wechselwirkungen erkennen.

Thomas Müller, Geschäftsführer Zentralstab Unternehmensentwicklung und -steuerung bei der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, erklärte: „Weniger unerwünschte Arzneimittelwirkungen, weniger Krankenhauseinweisungen, weniger Todesfälle, in erster Linie profitiert der Patient vom AdAM-Projekt. Der Hausarzt kann die Arzneitherapie koordinieren und optimieren. So werden auch Doppelverordnungen, Wechselwirkungen oder Dosierungsfehler sichtbar, und der Arzt kann reagieren“.

Bei Überführung des Projekts AdAM in die Regelversorgung wird mit einer Einsparung bei allen gesetzlichen Krankenkassen von bis zu 2,75 Milliarden Euro gerechnet. Von dem Geld, das weniger für Arzneimittel ausgegeben wird, könnten die beteiligten Ärzte dann für ihren Mehraufwand ein Honorar erhalten.

Das AdAM-Projekt soll Ende 2019 abgeschlossen werden. Als Starthilfe wurden aus dem Innovationsfonds 16 Millionen Euro ausgezahlt, die sicher gut angelegt sind.

Ein Beitrag für Medieninfo Berlin von Edelgard Richter / Dela Press.