Berlin: Hufeisensiedlung Britz
Soziales Wohnen und Leben unter Denkmalschutz. Es begannn vor einhundert Jahren auf dem Gelände des Rittergutes Berlin-Britz. Die Architektur der Siedlung erwies sich als richtungsweisend. Inzwischen gehört sie zum Unesco-Welterbe. Heute leben 7000 Menschen in diesem ruhigen Viertel mit viel Grün und Beschaulichkeit.


„Sozialer Wohnungsbau“ war in den 1920er Jahren eine enorme Herausforderung. Nur Großsiedlungen versprachen einen Weg aus der katastrophalen Wohnungsnot. Damit sich die Bewohner der Mietskasernen einen Umzug überhaupt leisten konnten, mussten die Mietkosten niedrig sein – und folglich auch die Baukosten. Für Stadtplaner und Architekten eine willkommene Herausforderung. Dem widmeten sich die bekannten Baumeister Bruno Taut und Martin Wagner. Beide geboren in Königsberg. Mit ihren kühnen Ideen begründeten sie das Neue Bauen für Berlin. Die Siedlungen verstanden sich als Gegenentwürfe zu den menschenverachtenden Mietskasernen, ihre Architektur sollte die Gemeinschaft der Siedler widerspiegeln. Die Kernfigur der Britzer Siedlung, das Hufeisen, wurde gewissermaßen als Manifest für eine neue Sachlichkeit verstanden.

Die Großsiedlung Britz entstand 1925–33 in sieben Bauabschnitten. Ihre über 1000 Wohnungen sind nach nur vier Grundrisstypen standardisiert. Alle Bauten sind zu Zeilen gereiht, den Einfamilienhäusern ist jeweils ein Mietergarten zugeordnet. Bei den 3-Geschossern sind die Gärten jeweils in drei Terrassen eingeteilt. Gemüseanbau und ein Obstbaum waren Pflicht. Heute nur noch eine Graslandschaft. In Berlin gibt es insgesamt sechs Welterbe-Siedlungen, darunter die Gartenstadt Falkenberg, die Weiße Stadt Reinickendorf und die Ringsiedlung Siemensstadt.

Am Rand der Britzer Hufeisensiedlung, Luise-Reuter-Ring 1, kann jeder Interessierte weitere Details in einer Infostation einholen. (FOTO) Auf der Website ist eine Öffnungszeit am Wochenende angegeben. Leider jetzt Samstags geschlossen. In jedem Fall ist dieses beeindruckende Areal aber einen Besuch wert.


Unweit dieser Seltenheit lohnt es sich, das Britzer „Schloß“ und den zum historischen Ensemble gehörigen Gutshof zu besuchen. Mit seinem denkmalgeschützten ca. 2 Hektar großen Park ist hier erlebbar das einzige in seinem dörflichen Umfeld und in seiner Bausubstanz vollständige erhaltene Gut in Berlin.

Zum landwirtschaftlichen Ambiente trägt auch die historische Tierhaltung bei. Das 1985-88 restaurierte Herrenhaus ist aber nicht nur ein herausragendes Baudenkmal Berlins. Mit seiner Dauerausstellung zur Repräsentativen Wohnkultur der Gründerzeit und den regelmäßig stattfindenden Sonderausstellungen ist es lebendiger Teil der Berliner Kulturlandschaft.

Gastronomisch gut betreut die Gäste das Schloßrestaurant sowie das Feinschmecker-Restaurant Buchholz im historischen Schweizerhaus. (www.schlossbritz.de). Fotos: ©Visit Berlin+OK; Txt: OK
