Der Mittelpunkt von USEDOM

Das ist genau das 1575 erbaute Wasserschloß Mellenthin mitten im Naturpark der Insel. Heute Hotel und gefragte Eventlocation. Auf dem historischen Areal erwartet die Gäste eine Brauerei, eine Kaffeerösterei und die Insel-Destillerie. Für alle Generationen werden regelmäßig reichhaltige Themen-Buffets angeboten. Für uns der ideale Ausgangspunkt, die umliegenden Orte in der Usedomer Schweiz zu besuchen. Das einst von den Slawen besiedelte Achterland verheißt Natur pur und ländlichen Charme. Die idyllischen Ortschaften zeigen durchgehend das unverfälschte Bild alter Bauern- und Fischersiedlungen.

Wir starten unsere Neun-Dörfer-Tour gleich in Mellenthin. Früher ein typisches Gutsdorf mit Försterei. Die Ortskirche aus dem 14. Jahrhundert ist durch eine Allee mit dem Wasserschloß verbunden. Beeindruckend die mittelalterlichen Deckenmalereien und die großen Tafelbilder auf der Nordwand. Zu besichtigen ist auch ein Botanischer Garten. Weiter führt unser Weg am Lieper Winkel zum 138 Einwohnerort Morgenitz mit einer seltenen Hallenkirche; spätgotischer Backstein. Einen kurzen Blick werfen wir noch in den Keramikhof Danegger. Nicht weit entfernt passieren wir das Gutsdorf Dewichow Ausbau – ein altes Rittergut.

Eine Pause empfiehlt sich am Krienker See, gleich hinter dem Ort. Nur 2 km entfernt erreichen wir das verschlafene und verträumte Örtchen Balm am Balmer See. Charakteristisch hier der 1998 gestaltete Golfpark mit einer Fläche von 120 ha. Für Wasserwanderer wurde aktuell ein Rastplatz mit neuen Liegeplätzen fertig gestellt. Von Balm aus haben wir einen schönen Blick über das Achterwasser. Etliche Häuser aus der Jahrhundertwende wurden teilweise originalgetreu restauriert. Damit endet unser erster Routentag und wir wandern zurück ins Hotel Wasserschloß.

Am zweiten Tag machen wir uns in Richtung Neppermin auf den Weg. Gelegen am gleichnamigen See mit einer 300 m Uferpromenade und Campingplatz. Immer Betrieb ist am Nepperminer Fischpalast, der gefragten Fischgaststätte in dieser Gegend. Nördlich des Ortes erkunden wir die Überreste eines slawischen Burgwalls, auch als „Schwedenschanze“ bekannt. Der amerikanische Maler Lyonel Feininger fand hier zahllose Motive seines Schaffens, z.B. „Mondaufgang in Neppermin“.



Weiter führt uns der Routenplaner nach Benz. Dort entdecken wir die mittelalterliche Renaissance-Kirche St. Petri, heute kulturelles Zentrum der Insel. Sehenswert auch die Holländerwindmühle, Baujahr 1963. Noch immer intakt mit drehbarer Haube, Flügelkreuz und Windrose. Bis 1971 war die mit Buchenschindeln verkleidete Mühle noch in Betrieb. Heute Maleratelier und ein Malort des Feiningerblicks. Der Maler war oft Gast im Achterland und die Benzer haben ihm eine eigene Route gestaltet. Die beiden 200 Jahre alten Usedomer Orte Alt- und Neu-Sallenthin liegen sehr beschaulich zwischen dem Kleinen Krebssee und dem Gothensee.

Gleich hinter Dorf Bansin hat hier der Tourismus seine Spuren hinterlassen. Ferienhäuser historische und neue prägen das Ortsbild. Von einem leicht zu besteigenden Holzturm haben wir einen phantastischen Rundumblick auf die Seen und das hügelige Gelände. Hier wird deutlich, wie das Gebiet zu seinem Namen „Usedomer Schweiz“ kam. Über Labömitz mit seinen Großstein- und Hügelgräbern führt der Rückweg nach Katschow. Es liegt am Rande des Thurbruchs, einem Niedermoor, das König Friedrich II. meliorieren ließ.
Damit hielt in dieser Gegend eine ausgedehnte Weidewirtschaft Einzug. Obwohl inzwischen moderne Elektropumpwerke die Wasserstände regulieren, sind noch Spuren der Vorzeit zu finden. Als Technisches Denkmal zu bestaunen: Das Windkraftschöpfwerk am Kachliner See. Hier treffen wir auch einen einsamen Angler, der aber noch auf seinen Fang wartet.

Mit der „Usedomer Schweiz“ haben wir eine der schönsten und abwechslungsreichsten Landschaften im Achterland der Insel Usedom erlebt. Txt.+ Fotos: ©OK

