Aktuelle Briefmarke erzählt DDR-Geschichte

Besser kann man das 50 Jahre Jubiläum der DDR-Antarktisforschung nicht würdigen. Überhaupt ein Novum bei gegenwärtigen Biefmarkenausgaben. Schließlich wurde die Forschungsstation Georg Forster vom Westen abgewickelt.

Das erste Überwinterungsteam der Georg-Forster-Station im Eröffnungsjahr 1976, Blick von Nordwest nach Südost.

Es begann am 21. April 1976 als in der Schirmacher-Oase die spätere Georg-Forster-Station der DDR eingeweiht wurde. Sie war die erste ganzjährig betriebene deutsche Forschungsstation in der Antarktis und markiert einen Meilenstein in der Geschichte der Polarforschung. Im Juni werden ehemalige Überwinterer und Gäste das Jubiläum in Potsdam festlich begehen.

Bereits Ende 1975 reisten sechs Überwinterer mit etwa 150 Tonnen Fracht an Bord des eisgängigen Frachters „Kapitan Markov“ der 21. Sowjetischen Antarktisexpedition (SAE) in die Antarktis. Ihre Aufgabe: Der Aufbau einer Forschungsbasis der ostdeutschen Akademie der Wissenschaften in Nachbarschaft der sowjetischen Station Novolazarevskaya (Novo) und Beginn wissenschaftlicher Beobachtungen während der ersten Überwinterung 1976.

Nach Erreichen des antarktischen Kontinents entlud das Team die Fracht und transportierte sie mit Unterstützung sowjetischer Kollegen in die Schirmacher-Oase. Der rasche Stationsaufbau war möglich, da die Stationselemente aus auf Schlitten montierten 20-Fuß-Container-Modulen bestanden. Sie wurden bereits in der Heimat voll ausgebaut und eingerichtet.

Dieses Konzept, eine Station aus Modulen, fertig ausgestattet zur Inbetriebnahme, auf Schlitten zum künftigen Standort zu transportieren und vor Ort zu montieren, war vor 50 Jahren ein neuer Ansatz. So wurden langwierige Aufbauzeiten bei harschen meteorologischen Bedingungen minimiert.

Das erste, für drei Jahre konzipierte wissenschaftliche Programm an der Forster-Station war die Beteiligung an der „International Magnetospheric Study“ (IMS). Bis 1978 lag der Schwerpunkt auf Polarlichtbeobachtungen und aufwändigen Messungen der Funkwellenabsorption in der unteren Ionosphäre.

Die Georg-Forster-Station mit Anbauten im Jahr 1991, mit Blick von Süd nach Nord.

Bis 1993 erfolgten Studien zur Geophysik, Geologie, Glaziologie, Hydrologie und Biologie in der Schirmacher-Oase und ihrer Umgebung. Die größte Bedeutung hatte wohl das Ozon-Messprogramm der Station: Im Jahr 1985 begannen regelmäßige Ballonsondierungen mit elektrochemischen Ozonsonden.

Ein Zufallsbefund im ersten Untersuchungsjahr war dabei die Entdeckung eines sogenannten Ozonlochs. Der wissenschaftliche Betrieb der Georg-Forster-Station wurde in der Saison 1992/93 eingestellt. Bis 1996 wurde die Station im Rahmen des deutsch-russischen Projekts „Cleaning up Schirmacher Oasis“ vollständig abgetragen.

Gedenktafel der Georg-Forster-Station, die die DDR seit 1976 in der Antarktis betrieb. Im Bild: Dr. Hartwig Gernandt, Mitglied des Aufbau- und ersten Überwinterungsteams der Forster-Station und langjähriger Leiter der Logistik-Abteilung am Alfred-Wegener-Institut. Commemorative plaque of the Georg Forster Station, which the GDR operated in the Antarctic from 1976. In the picture: Dr Hartwig Gernandt, member of the set-up and first wintering team of the Forster-Station and long-time head of the Logistics Department at the Alfred Wegener Institute.

Somit war die DDR-Antarktisforschung endgültig beerdigt. Heute betreibt Deutschland unter Federführung des Alfred-Wegener-Instituts die Forschungsstation Neumayer III an der Atka Bucht (www.awi.de).

Txt.+Fotos: ©OK mit AWI
Kontakt: Dr. Folke Mehrtens, Folke.Mehrtens@awi.de Tel.: +49(0)471 4831-2007