Europa rückt zusammen: Neue Bahnverbindungen nach Tschechien
Sommer auf Schienen

Ausgebaute Bahnnetze, ein Sommerticket und außergewöhnliche Orte entlang der Gleise machen Tschechien zum Ziel für entschleunigte Sommerreisen mit dem Zug. © LeoExpress
Manche Erlebnisse beginnen mit dem sanften Ruckeln eines Waggons und mit Landschaften, die hinter dem Fenster vorbeiziehen. Wer im Sommer 2026 nach Tschechien fährt, sollte sich für das Reisen auf Gleisen entscheiden – denn mit der neuen durchgehenden Bahnverbindung zwischen Prag, Berlin und Kopenhagen rücken nicht nur drei Hauptstädte enger zusammen, sondern es steigt auch die Lust auf ein entschleunigtes Unterwegssein. Passend dazu lädt das Sommerticket der Tschechischen Bahn České dráhy dazu ein, das Land im Juli und August nahezu grenzenlos zu erkunden. Zwischen Jugendstilbahnhöfen, traditionsreichen Strecken und ungewöhnlichen Übernachtungsmöglichkeiten geht es um viel mehr als die bloße Fahrt von A nach B. www.visitczechia.com
Von Prag nach Kopenhagen
Das internationale Schienennetz in Tschechien wächst. Seit Mai 2026 gibt es eine neue Verbindung der staatlichen České dráhy in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn und der DSB, die Prag über Děčín, Dresden, Berlin und Hamburg direkt mit Kopenhagen verbindet. Leo Express ergänzt das Angebot mit einer neuen Verbindung von Frankfurt am Main über mehrere tschechische Städte bis nach Polen. Ab Dezember übernimmt zudem ein neuer Betreiber die Strecke zwischen München und Prag mit Halten auf beiden Seiten der Grenze.
Nächster Halt: Prag!


Ankommen mit Stil: Das historische Fanta-Gebäude des Prager Hauptbahnhofs begrüßt Reisende mit prachtvoller Jugendstilarchitektur und ist zugleich Ausgangspunkt für Entdeckungen in Prag und Mittelböhmen. © Prague City Tourism
In Prag wartet die erste Sehenswürdigkeit direkt bei der Ankunft. Der historische Teil des Prager Hauptbahnhofs, das sogenannte Fanta-Gebäude, zählt zu den eindrucksvollsten Jugendstilbauten der tschechischen Hauptstadt. Wer dort bei einem Kaffee auf den nächsten Zug wartet, sitzt gewissermaßen im Vorzimmer der Stadt. Reich verzierte Hallen, kunstvolle Ornamente und historische Architektur verleihen dem Bahnhof jene Grandezza, die sonst häufig Museen oder Opernhäusern vorbehalten bleibt. Gleichzeitig bildet er einen Ausgangspunkt für Ausflüge in die Region Mittelböhmen, deren Burgen, Schlösser und Flusstäler nur wenige Zugminuten entfernt liegen.
Kathedralen der Begegnung
Der tschechische Schriftsteller Jaroslav Rudiš zählt zu den bekanntesten Botschaftern der europäischen Bahnkultur. Bahnhöfe bezeichnet er gern als „Kathedralen“ – Orte des Ankommens, Aufbrechens und der Begegnung. Rudiš schwärmt jedoch nicht nur von den großen Verkehrsknotenpunkten wie dem Prager Hauptbahnhof. Seine Aufmerksamkeit gilt ebenso den kleinen Stationen am Rand der Landkarte, den Nebenstrecken und Bahnhofswirtschaften.

Cheb (Eger) in Westböhmen begeistert mit seinem gut erhaltenen mittelalterlichen Stadtkern und zählt zu den sehenswerten Zwischenstopps entlang der tschechischen Bahnstrecken. © CzechTourism
Ein Beispiel dafür bietet die historische Stadt Cheb (deutsch: Eger) in Westböhmen. Mittelalterliche Gassen und jahrhundertealte Geschichten laden zu einem Zwischenstopp ein. Im September 2026 rückt Cheb zusätzlich in den Mittelpunkt der tschechischen Eisenbahnwelt, wenn dort am 12. und 13. September die Nationalen Eisenbahntage stattfinden. Andernorts erwachen alte Gebäude zu neuem Leben: Im mittelböhmischen Nižbor entstand aus einem ehemaligen Bahnhofsgebäude ein beliebtes Ausflugsrestaurant, das den Charme vergangener Zeiten bewahrt. Noch ungewöhnlicher fällt eine Übernachtung im Erzgebirge aus: Am Bahnhof von Kovářská stehen ehemalige Waggons mit Panoramafenstern auf den Gleisen. Heute dienen sie als komfortable Glamping-Unterkünfte, umgeben von der stillen Landschaft des Erzgebirgskamms. Auch die Brauerei Kocour in Varnsdorf verbindet Eisenbahnromantik mit Gastlichkeit. Eine eigene Zughaltestelle führt direkt zur Brauerei, während historische Waggons als außergewöhnliche Unterkünfte dienen.
Ein Ticket für den Sommer

Grenzenlos unterwegs: Das Sommerticket der České dráhy ermöglicht im Juli und August 2026 unbegrenzte Fahrten auf dem Streckennetz der Tschechischen Bahn. © Prague City Tourism
Wer sich in den warmen Monaten ganz den romantischen Zugreisen widmen möchte, findet im Sommerticket der České dráhy den passenden Begleiter. Das Ticket gilt vom 1. Juli bis zum 31. August 2026 und ermöglicht unbegrenzte Fahrten im Streckennetz der Tschechischen Bahn. Zur Auswahl stehen Varianten für sieben oder 14 aufeinanderfolgende Tage.
Über Tschechien. Wer die goldene Mitte Europas erkundet, begegnet einem Land, das Geschichte und Moderne vereint: Städte wie Prag, Brünn oder Ostrava gelten mit ihren historischen Zentren und visionärer Architektur als Zeitzeugen – damals wie heute. Entlang der 817 Kilometer langen deutsch-tschechischen Grenze lässt die Natur beide Seiten eins werden. Während sich der dicht bewachsene Böhmerwald mit seinen Moorgebieten bis ins Bayerische erstreckt, birgt die Sächsisch-Böhmische Schweiz Wanderwege zu bizarren Sandsteinformationen. Auch im Landesinneren zeigt Tschechien mit dem mystischen Riesengebirge, weniger bekannten Skiorten oder dem Naturschutzgebiet Pollauer Berge viele Facetten. Karlsbad, Marienbad und Franzensbad, als westböhmisches Bäderdreieck berühmt und ebenfalls UNESCO-Welterbe, zählen seit 2021 zu den „Great Spa Towns of Europe“. Die reiche Geschichte lässt sich anhand der Burgen- und Schlösserlandschaft nur erahnen, dazu zählen fast 2.000 Bauwerke wie die Prager Burg oder Schloss Český Krumlov. Doch Tschechiens Erbe lebt nicht nur in Mauern, sondern auch in Gläsern. So etwa in Pilsen, Wiege der Bierbrauerei oder in Brünn, Zentrum der mährischen Weintradition – mit jahrhundertealten Bräuchen, die bis heute gepflegt werden. www.visitczechia.com
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