Das Leben wieder lieben (lernen)
Es sage mir keiner, er komme ohne trübe Gedanken durch den beginnenden Herbst und die vor uns liegenden winterlichen Temperaturen, wenn gleichzeitig die Indizend-Werte förmlich explodieren, die Zahl der sogenannten Impfdurchbrüche zunehmen und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach die Wiedereröffnung der Impfzentren vorschlägt, damit die Drittimpfungen zur Wiederauffrischung für alle möglich werden.
Was soll man machen, fragen sich nicht nur die Älteren: Sich verkriechen, abkapseln, einigeln – oder unter Einhaltung der verordneten Maßnahmen das Leben wieder lieben (lernen), denn dieses Leben hat jeder nur einmal. Der Autor dieses Beitrages steht kurz vor dem 90 Geburtstag und möchte am Mai kommenden Jahres mit seiner Frau gern die Gnadenhochzeit (70 Jahre) noch erleben. Und wenn’s geht, noch ein bisschen mehr.
Niemand wird in Abrede stellen wollen, dass soziale Kontakte zu den natürlichen Grundbedürfnissen der Menschen gehören. Das heißt. Wir würden dieses Fest gern mit unserer Familie und unseren Freunden feiern. Unsere Fragestellung: Wird das möglich sein ? Oder müssen wir uns auf ein Denk-Ereignis einstellen. Allein mit uns selbst ? Niemand kann darauf eine verbindliche Antwort geben.
Kommen wir zur in der Überschrift gestellten Schlüsselfrage zurück: Das Leben wieder lieben (lernen) – das heißt im Heute das Morgen erkennen. Es wird eine Nach-Corona-Zeit geben. Wann diese kommt, weiß niemand. Leben war, ist und bleibt immer ein Kampf – auch ohne diese komplizierte Jetztzeit. Wir Alten, die wir den zweiten Weltkrieg und den sogenannten Kalten Krieg hinter uns haben, konnten nie aufhören zukämpfen. Übrigens: Der kürzlich verstorbene Berliner Starfriseur Udo Walz, scherzhaft als der „Regierende Friseurmeister Berlins“ bezeichnet, hatte einen bemerkenswerten Lebensgrundsatz: „Für schlechte Laune ist mir mein Leben zu schade !“. Mir meines auch. Und außerdem: Jammern ist keine brauchbare Lebensphilosophie. Weder für die Alten noch für die Jüngeren.
Machen wir uns wechselseitig Mut zum Leben, für die Liebe zum Leben. Es lohnt sich für Menschen generell – unabhängig vom Lebensalter.
Dr. Dieter Langer
