Das Licht

img_6745Unsere Autorin Edelgard Richter berichtet für MEDIENINFO-BERLIN aktuell
aus der Bundeshauptstadt Berlin
Am ersten Tag der Schöpfung sprach Gott: „Es werde Licht! Und es ward Licht! Danach nannte er das Licht „Tag“ und die Finsternis „Nacht“. So steht es in der Bibel. Schon immer fürchteten sich die Menschen vor der Dunkelheit, denn sie glaubten an böse Geister und hatten Angst vor Räubern und Banditen, die des nachts unterwegs waren und heute noch sind. So sann die Menschheit seit Anbeginn darauf, die Dunkelheit zu erhellen. In Urzeiten hatten die Menschen nur die Sonne, ein offenes Feuer oder einen Kienspan. Nach und nach fanden Öl- und Talglampen Verwendung, später Bienenwachskerzen. Unter König Ludwig XIV. von Frankreich, dem Sonnenkönig (1638-1715), erhielt Paris als erste europäische Stadt eine öffentliche Beleuchtung. Vorher bestand eine „Fackelpflicht“: Die Hauseigentümer mussten auf eigene Kosten in den Wintermonaten Laternen im ersten Stock ihres Hauses aufstellen. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts brannten etwa 5.000 Laternen in den Hauptstrassen von Paris, jede mit einer Kerze versehen. In Berlin gab es ab 1680 Laternen, die mit Öllampen betrieben wurden; nur London behielt noch im 18. Jahrhundert die Privatbeleuchtung bei.

Die Nacht zum Tage zu machen, war ein Privileg der Reichen, denn die Bienenwachskerzen waren sehr teuer. Bekannt ist, dass Ludwig XIV. anlässlich eines Festes im Park von Versailles 1688 rund 24.000 Kerzen anzünden liess. Dem stand Kaiserin Maria Theresia von Österreich nicht nach, die 1770 anlässlich der Vermählung ihrer Tochter Maria Antonia im Wiener Stadtschloss Belvedere 13.000 Kerzen erstrahlen liess. Dazu kamen in den Gärten, Terrassen und Promenaden rund um das Schloss Tausende steinerne Feuerschalen und Öllampen. Auch die deutschen Fürstenhöfe liessen es leuchten. Allerdings war Friedrich der Große so geizig, dass er an seinen Kronleuchtern lediglich nur jede zweite Kerze anzünden liess, wenn es keine wichtige Zusammenkunft war.

Inzwischen schritt die Industrialisierung in Europa fort. Bisher richteten sich die Arbeitszeiten nach dem Sonnenauf- und -untergang. Aber für eine rentable Produktion benötigten die Fabrikhallen und Manufakturen Licht. 1684 bemerkte der Ire John Clayton, dass aus Steinkohle ein brennbares Gas hergestellt werden kann, was 1727 der Brite Stephen Hales unabhängig von ihm ebenfalls feststellte. Der Ingenieur William Murdoch experimentierte um das Jahr 1792 in der Dampfmaschinenfabrik Watt & Boulton bei Birmingham mit Kohledestillaten und entwickelte das Leuchtgas. 1802 konnte damit eine Fabrik in Soho mit einer Beleuchtung versehen werden. 1807 wurde dann Londons Prachtstraße, die Mall zwischen Buckingham Palace und Trafalgar Square, mit Gaslicht ausgestattet. Nach und nach zogen Europas Grossstädte nach. Der Leuchtstoff wurde nun industriell erzeugt und in Gasometern gespeichert. In Berlin entstand das erste Stadtgaswerk 1826, nachdem 1825 die englische Gesellschaft Imperial Gas Association das Recht erhalten hatte, in einigen Strassen der Stadt ein Gasrohrnetz zu bauen. Im September 1826 gab es einzelne Gaslaternen in der Strasse Unter den Linden, drei Jahre später erstrahlten schon 1.800 Gaslaternen.

Inzwischen wurde in verschiedenen Ländern zur Erzeugung von elektrischem Licht experimentiert. So der britische Physiker Joseph Wilson Swan (1828-1914), der den Patentstreit mit Thomas Alva Edison (1847-1931) verlor, und der russische Forscher Alexander Lodygin (1857-1923), der seine Erfindung des Wolframfadens an die Firma General Electric verkaufte. Mithin gilt Edison als Erfinder der Glühlampe, der 1879 einen Kohlefaden 40 Stunden lang glühen liess. Seine Erfindung konnte er dann 1881 auf der Elektrizitätsausstellung in Paris mit einer zirka 25 Watt starken Lampe vorstellen. Im gleichen Jahr liess Edison an der Brooklyn Bridge in New York das erste Zentralkraftwerk der Welt mit einer Leistung von 100 Kilowatt bauen. Die New Yorker Elektrizitätswerke wurden später nach ihm benannt.

Foto: gm  / Text: Edelgard Richter – Dela Press